An Halloween muss es nicht immer ein Horrorfilm sein. Manchmal ist es viel schlimmer, selbst durch einen dunklen Flur zu laufen, hinter der nächsten Tür ein Monster zu vermuten und trotzdem weiterzugehen. Oder gemeinsam mit Freunden vor etwas davonzurennen, das eigentlich niemand sehen wollte.
Für solche Abende haben wir acht Horrorspiele für Halloween 2026 ausgesucht: sechs für einen gruseligen Abend allein mit Kopfhörern und zwei für gemeinsame Horror-Abenteuer mit Freunden.
Resident Evil Requiem: Zwei Figuren, zwei Arten von Horror
Ein Geräusch hinter der Tür, kaum noch Munition und die unangenehme Gewissheit, dass man diesen Raum trotzdem betreten muss. Solche Momente gehören zu Resident Evil. Im neuesten Teil Requiem hat Capcom daraus gleich zwei unterschiedliche Spielerlebnisse gemacht.
Mit FBI-Analytikerin Grace Ashcroft fühlt sich selbst ein gewöhnlicher Gang durch ein verlassenes Gebäude gefährlich an. Ressourcen sind knapp, Gegner müssen möglichst geschickt umgangen werden und manchmal ist Weglaufen einfach die bessere Entscheidung.
Leon S. Kennedy geht die Sache wesentlich offensiver an. Der erfahrene Agent hat genug Kampferfahrung gesammelt, um es auch mit größeren Gegnergruppen aufzunehmen. Statt sich nur zu verstecken, greift er zu Schusswaffen, Nahkampfangriffen und gelegentlich ziemlich brutalen Methoden.
Der Wechsel zwischen beiden Figuren macht Resident Evil Requiem so interessant. Mal steht man unter Daueranspannung, kurz darauf darf man selbst wieder zur Bedrohung werden. Zusammen mit der aufwendigen Inszenierung und den klassischen Rätseln ergibt das einen der stärksten Horror-Blockbuster des Jahres 2026.
Silent Hill f: Ein Albtraum voller schöner und schrecklicher Bilder
Nebel, verlassene Straßen und Kreaturen, denen man lieber nicht begegnen möchte. Silent Hill ist für solche Bilder bekannt. Silent Hill f verlegt den Horror allerdings an einen ungewöhnlichen Schauplatz: ein japanisches Bergstädtchen in den 1960er-Jahren.
Die Schülerin Hinako Shimizu erlebt, wie ihre Heimat Ebisugaoka von einem mysteriösen Nebel verschlungen wird. Die vertrauten Straßen verwandeln sich in einen Albtraum, bizarre Monster tauchen auf und unheimliche rote Blüten breiten sich aus.
Was Silent Hill f besonders macht, ist der Gegensatz zwischen Schönheit und Schrecken. Manche Umgebungen sehen beinahe märchenhaft aus, obwohl man sich dort am liebsten keine Sekunde länger aufhalten würde. Dazu kommt eine Geschichte, die sich mit gesellschaftlichen Erwartungen, persönlichen Ängsten und Hinakos Vergangenheit beschäftigt.
Wer an Halloween nicht nur vor Monstern flüchten, sondern in eine verstörende Geschichte eintauchen möchte, bekommt hier einen Horrortrip, der auch ohne die üblichen amerikanischen Kleinstadtkulissen hervorragend funktioniert.
Silver Pines: Ein Vermisstenfall wird zum Survival-Horror
Silver Pines ist der frischeste Titel unserer Auswahl. Das Survival-Horrorspiel erschien erst am 8. Oktober 2026 und hat bei Steam bereits einen bemerkenswert guten Start hingelegt: Mehr als 95 Prozent der bisherigen Nutzerbewertungen fallen positiv aus.
Eigentlich soll Privatdetektiv Red Walker nur einen verschwundenen Musiker namens Eddie Velvet aufspüren. Dafür reist er in die amerikanische Kleinstadt Silver Pines. Doch zwischen verlassenen Gebäuden, verschlossenen Türen und den wenigen verbliebenen Bewohnern wird schnell klar, dass hier mehr als ein gewöhnlicher Vermisstenfall wartet.
Silver Pines verbindet klassische Survival-Horror-Mechaniken mit dem Erkundungsprinzip eines Metroidvanias. Neue Werkzeuge öffnen zuvor unzugängliche Wege, während Munition und andere Vorräte sorgfältig eingeteilt werden müssen.
Auch optisch fällt das Spiel auf. Die seitliche Kameraperspektive und der handgezeichnet wirkende Stil verleihen Silver Pines eine ganz eigene Atmosphäre. Zusammen mit der rätselhaften Geschichte erinnert das stellenweise an eine Mischung aus Silent Hill und Twin Peaks. Für einen verregneten Oktoberabend könnte die Kulisse kaum besser passen.
REANIMAL: Gemeinsam durch eine groteske Albtraumwelt
Wer schon einmal Little Nightmares gespielt hat, kennt dieses unangenehme Gefühl, als winzige Figur durch eine Welt voller übergroßer Monster zu schleichen. Hinter REANIMAL steckt Tarsier Studios, das Entwicklerteam der ersten beiden Little-Nightmares-Spiele.
Zwei Geschwister kehren auf eine düstere Insel zurück, um ihre verschwundenen Freunde zu finden. Unterwegs begegnen sie grotesken Kreaturen, verlassenen Orten und Dingen, die man lieber nicht genauer betrachten möchte.
Besonders reizvoll ist, dass sich das Abenteuer gemeinsam erleben lässt. REANIMAL unterstützt sowohl lokalen als auch Online-Koop für zwei Personen. Die gemeinsame Kameraperspektive sorgt dafür, dass beide immer Teil derselben beklemmenden Situation sind.
Und wenn ein riesiges Monster die Verfolgung aufnimmt, ist es natürlich hilfreich, jemanden an seiner Seite zu haben. Zumindest so lange, bis beide in unterschiedliche Richtungen laufen möchten.
Praktisch ist außerdem der Friend’s Pass: Im unterstützten Online-Koop kann eine zweite Person kostenlos mitspielen, wenn der Partner die Vollversion besitzt.
R.E.P.O.: Wenn Horror in Chaos umschlägt
Die Aufgabe in R.E.P.O. ist ziemlich simpel. Wertvolle Gegenstände einsammeln, sicher zum Ausgang bringen und dafür bezahlt werden. Das Problem: Die Gebäude sind voller Monster und die eigene Gruppe ist meistens nicht annähernd so gut organisiert, wie sie gerne wäre.
Bis zu sechs Spieler können gemeinsam auf Beutezug gehen. Mithilfe physikbasierter Greifwerkzeuge werden Möbel, Vasen und andere Gegenstände durch die Umgebung transportiert. Das klingt zunächst harmlos, bis jemand eine wertvolle Vase gegen den Türrahmen schlägt oder mitten beim Tragen eines schweren Gegenstands ein Monster auftaucht.
Dann beginnt das Chaos. Einer schreit, der nächste rennt davon und irgendjemand versucht verzweifelt, noch die Beute zu retten. Der integrierte Sprachchat macht solche Situationen besonders unterhaltsam, weil sich die Gruppe ständig miteinander absprechen muss.
R.E.P.O. gehört zu den großen Koop-Horror-Erfolgen der vergangenen Jahre und erreicht auf Steam rund 96 Prozent positive englischsprachige Bewertungen. Für eine größere Freundesgruppe ergibt das eine Mischung aus Grusel, Teamwork und unfreiwilliger Komik.
No, I’m not a Human: Wer darf ins Haus?
Es klopft an der Tür. Draußen steht ein Mensch, der dringend Hilfe braucht. Eigentlich müsste man ihn hereinlassen. Nur gibt es in No, I’m not a Human ein kleines Problem: Vielleicht ist er überhaupt kein Mensch.
Die Welt steht vor einer Katastrophe. Tagsüber ist die Hitze draußen lebensgefährlich, nachts tauchen mysteriöse Besucher auf, die sich kaum von gewöhnlichen Menschen unterscheiden lassen. Einige suchen tatsächlich Schutz. Andere haben wesentlich unangenehmere Absichten.
Als Spieler muss man entscheiden, wem man die Tür öffnet. Dafür untersucht man auffällige Merkmale, befragt seine Gäste und versucht herauszufinden, wer die Wahrheit sagt. Auch scheinbar harmlose Besucher können verdächtig wirken.
Das Spiel lebt von der ständigen Unsicherheit. Ein seltsames Lächeln oder eine merkwürdige Antwort reichen irgendwann aus, um jeden Gast zu hinterfragen. Und weil jede Entscheidung Folgen haben kann, fühlt sich selbst das eigene Wohnzimmer nicht mehr besonders sicher an.
No, I’m not a Human braucht keine riesige Spielwelt, um unheimlich zu werden. Ein Haus, ein paar Fremde und das ungute Gefühl, niemandem vertrauen zu können, reichen vollkommen.
Mouthwashing: Wenn das Schlimmste nicht draußen lauert
Fünf Menschen sitzen auf einem beschädigten Weltraumfrachter fest. Die Lebensmittel werden knapp, eine Rettung ist nicht in Sicht und irgendwann wird auch der Strom ausfallen. Viel schlechter könnten die Voraussetzungen für eine gemeinsame Reise kaum sein.
Mouthwashing erzählt die Geschichte der Besatzung der Tulpar, deren Situation nach einem schweren Unglück immer aussichtsloser wird. Während die Vorräte schwinden, brechen alte Konflikte auf und die Beziehungen zwischen den Crewmitgliedern verändern sich.
Statt auf klassische Monsterjagden setzt das Indie-Spiel auf psychologischen Horror. Die Handlung wird nicht chronologisch erzählt, sodass sich erst nach und nach erschließt, was an Bord tatsächlich geschehen ist. Einige der unangenehmsten Momente entstehen aus Gesprächen und dem Verhalten der Figuren.
Mit ungefähr drei Stunden Spielzeit lässt sich Mouthwashing gut an einem Abend durchspielen. Die Geschichte ist allerdings ausgesprochen düster und enthält extreme Gewalt, blutige Darstellungen und Verstümmelungen.
Wer an Halloween Lust auf eine kurze, ungewöhnliche Horrorgeschichte hat, sollte sich möglichst wenig über die Handlung verraten lassen. Mouthwashing entfaltet seine Wirkung am besten, wenn man nicht weiß, was einen erwartet.
The Midnight Walk: Ein düsteres Märchen für Halloween
Zwischen all den Monstern, blutigen Kämpfen und verstörenden Geschichten darf es zum Abschluss auch etwas märchenhafter werden. Wobei „märchenhaft“ bei The Midnight Walk keineswegs bedeutet, dass alles freundlich und harmlos ist.
Das Abenteuer führt durch eine Welt, in der das Feuer erloschen ist. Gemeinsam mit dem kleinen Laternenwesen Potboy macht man sich auf eine Reise durch dunkle Wälder, geheimnisvolle Landschaften und vorbei an Kreaturen, die manchmal eher wie Albtraumfiguren aussehen.
Das Besondere ist die Gestaltung. Die Entwickler haben Figuren und Umgebungen zunächst aus echtem Ton modelliert, anschließend eingescannt und im Stop-Motion-Stil zum Leben erweckt. Dadurch wirkt das gesamte Spiel wie ein aufwendig produzierter Animationsfilm.
Zwischen den unheimlichen Begegnungen gibt es immer wieder ruhige, beinahe magische Momente. Man erkundet die Welt, löst kleinere Rätsel und nutzt Potboys Flamme, um den Gefahren auf dem Mitternachtsweg zu begegnen.
The Midnight Walk zeigt, dass Halloween-Stimmung nicht immer von Blut und Schockmomenten leben muss. Hinter jedem Baum scheint etwas Seltsames zu warten, und gerade das macht es zum ruhigsten Gruselspiel dieser Liste.
Welches Horrorspiel passt zu deinem Halloween-Abend?
Wer Halloween gemeinsam mit Freunden verbringen möchte, hat mit REANIMAL und R.E.P.O. zwei sehr unterschiedliche Möglichkeiten. Das eine erzählt eine zusammenhängende Gruselgeschichte für zwei Personen, das andere macht aus jeder Multiplayer-Runde ein kleines Abenteuer mit ungewissem Ausgang.
Für einen intensiven Soloabend bieten sich vor allem Resident Evil Requiem, Silent Hill f und das frisch erschienene Silver Pines an. Mouthwashing und No, I’m not a Human gehen psychologisch ungewöhnlichere Wege, während The Midnight Walk eine ruhigere, märchenhafte Alternative bietet.
Eines haben die Spiele aber gemeinsam: Sie machen Situationen interessant, denen man im echten Leben wahrscheinlich lieber aus dem Weg gehen würde. An Halloween darf man schließlich auch mal freiwillig die falsche Tür öffnen.

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