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Wie zuverlässig sind Steam-Bewertungen wirklich?

Geschrieben von Nils Brandt

Zuletzt aktualisiert am

Person prüft auf einem Laptop die aktuellen und gesamten Steam-Bewertungen eines Spiels.

Ein Spiel hat 94 Prozent positive Bewertungen auf Steam. Auf den ersten Blick klingt das fast wie eine Kaufempfehlung. Bei einem anderen Titel stehen nur 72 Prozent. Das erste Spiel schneidet demnach deutlich besser ab.

So einfach lässt sich die Steam-Wertung jedoch nicht lesen. Steam-Bewertungen verraten durchaus viel über ein Spiel, aber die Prozentzahl allein sagt weder, wie gut es tatsächlich ist, noch ob es zum eigenen Geschmack passt. Wer vor dem Kauf etwas genauer hinsieht, kann aus den Reviews wesentlich mehr herausholen.

90 Prozent positiv bedeutet nicht 9 von 10 Punkten

Steam verwendet kein klassisches Bewertungssystem mit Sternen oder Punkten. Nutzer entscheiden im Kern nur zwischen „Empfohlen“ und „Nicht empfohlen“. Die angezeigte Prozentzahl beschreibt deshalb, wie groß der Anteil der positiven Empfehlungen ist.

Das macht einen wichtigen Unterschied. Jemand kann ein Spiel trotz technischer Probleme empfehlen, weil es für 15 Euro trotzdem Spaß macht. Ein anderer gibt eine negative Bewertung, obwohl er große Teile davon gelungen findet, weil beispielsweise der Multiplayer nicht funktioniert. Beide Stimmen werden am Ende lediglich als positiv oder negativ gezählt.

Eine Wertung von 90 Prozent bedeutet daher nicht, dass die Community dem Spiel durchschnittlich eine 9 von 10 geben würde. Sie bedeutet zunächst nur: Die große Mehrheit der berücksichtigten Rezensenten würde es weiterempfehlen.

Die letzten 30 Tage können wichtiger sein als fünf Jahre alte Reviews

Bei älteren Spielen zeigt Steam neben der Gesamtwertung auch Bewertungen aus den vergangenen 30 Tagen an, sofern genügend neue Rezensionen vorhanden sind. Valve führte diese zweite Anzeige bewusst ein, weil sich Spiele nach ihrer Veröffentlichung stark verändern können.

Ein Titel kann über Jahre eine sehr positive Gesamtwertung aufgebaut haben und nach einem problematischen Update plötzlich deutlich schlechter abschneiden. Umgekehrt kann ein Spiel mit schwachem Start durch Patches, neue Inhalte oder technische Verbesserungen längst in einem besseren Zustand sein.

Genau hier wird der Vergleich interessant. Liegt die Gesamtwertung beispielsweise deutlich über den kürzlichen Rezensionen, lohnt sich ein Blick auf die neuesten Beschwerden. Sind die aktuellen Bewertungen hingegen wesentlich besser, können alte Probleme die Gesamtwertung noch lange nach unten ziehen.

Besonders bei Early-Access-Titeln, Online-Spielen und Spielen mit regelmäßigen Updates ist die aktuelle Entwicklung deshalb oft aussagekräftiger als eine einzelne Gesamtzahl.

Auch die Anzahl der Bewertungen verändert das Bild

95 Prozent positive Bewertungen sehen beeindruckend aus. Trotzdem macht es einen Unterschied, ob diese Zahl auf 80 Rezensionen oder auf Zehntausenden Erfahrungen basiert.

Bei wenigen Bewertungen können einzelne positive oder negative Stimmen den Prozentwert deutlich stärker verändern. Eine sehr hohe Wertung bei einem kleinen Indie-Spiel ist deshalb nicht wertlos, sollte aber anders gelesen werden als dieselbe Prozentzahl bei einem Titel mit einer riesigen Spielerschaft.

Auch das Alter des Spiels spielt hinein. Eine Gesamtwertung kann Erfahrungen aus völlig unterschiedlichen Versionen zusammenfassen: Launch-Zustand, Early Access, große Updates und Jahre später veröffentlichte Inhalte landen am Ende in derselben langfristigen Statistik.

Steam versucht dieses Problem teilweise über die kürzlichen Bewertungen zu lösen. Für Käufer bleibt trotzdem sinnvoll, neben dem Prozentsatz immer auch auf Zeitraum und Anzahl der Reviews zu achten.

Nicht jede sichtbare Rezension zählt zur Wertung

Ein weiteres Detail fällt auf der Store-Seite kaum auf: Nicht jede Rezension, die auf Steam gelesen werden kann, beeinflusst auch die angezeigte Gesamtwertung.

Nutzer können beispielsweise eine Rezension schreiben, nachdem sie ein Spiel über einen Steam-Key, ein kostenloses Wochenende oder Family Sharing gespielt haben. Sichtbar bleibt diese Bewertung trotzdem. Für den eigentlichen Review Score berücksichtigt Steam jedoch nur Rezensionen von Accounts, die das Spiel direkt über Steam gekauft und gespielt haben.

Bei einzelnen Reviews lohnt außerdem ein Blick auf die angezeigte Spielzeit. Steam erfasst unter anderem, wie lange jemand das Spiel zum Zeitpunkt der Rezension gespielt hatte. Eine negative Bewertung nach 20 Minuten kann einen anderen Stellenwert haben als eine detaillierte Kritik nach 80 Stunden – wobei lange Spielzeit natürlich ebenfalls nicht automatisch bedeutet, dass eine Meinung objektiver ist.

Hilfreich ist vor allem, nach wiederkehrenden Punkten zu suchen. Wenn mehrere aktuelle Rezensionen unabhängig voneinander über Abstürze, schlechte Server oder ein bestimmtes Balancing-Problem berichten, ist das meistens relevanter als eine einzelne besonders wütende oder besonders euphorische Bewertung.

Was passiert bei Review Bombing?

Steam-Wertungen können sich innerhalb kurzer Zeit drastisch verändern. Manchmal steckt dahinter ein schlechtes Update oder eine Entscheidung des Entwicklers, die viele Spieler direkt betrifft. In anderen Fällen richtet sich eine Bewertungswelle gegen ein Thema, das Valve für den eigentlichen Kauf eines Spiels als nicht relevant einstuft.

Valve bezeichnet solche Fälle als Off-Topic Review Bombs. Erkennt das Unternehmen einen entsprechenden Zeitraum, können die darin abgegebenen Bewertungen aus der Berechnung des Review Scores ausgeschlossen werden. Die Rezensionen selbst werden dadurch nicht gelöscht und bleiben weiterhin lesbar. Steam kennzeichnet solche auffälligen Zeiträume zudem auf der Store-Seite.

Das bedeutet nicht, dass Steam jede plötzliche Welle negativer Bewertungen entfernt. Beschwerden über Bugs, Änderungen am Spiel oder andere Aspekte, die das Spielerlebnis betreffen, können weiterhin völlig legitime negative Reviews sein. Erst die Ursache der Bewertungswelle entscheidet darüber, ob Valve sie als themenfremd behandelt.

Auch deshalb lohnt sich bei einem plötzlichen Absturz der Wertung ein Blick in die eigentlichen Rezensionen. Die Zahl zeigt, dass sich die Stimmung verändert hat. Die Texte erklären meistens erst, warum.

Der bessere Steam-Check dauert nur wenige Minuten

Vor einem Kauf sollte die Gesamtwertung deshalb eher als Ausgangspunkt dienen. Interessanter wird es beim Vergleich mit den Bewertungen der letzten 30 Tage. Danach reicht oft schon ein Blick auf einige aktuelle positive und negative Rezensionen.

Besonders hilfreich sind wiederkehrende Kritikpunkte. Beschweren sich viele Spieler über dieselbe technische Schwäche? Betrifft die Kritik einen Teil des Spiels, der für den eigenen Kauf überhaupt relevant ist? Wurde ein Problem inzwischen behoben? Auch Datum, Spielzeit und mögliche Kennzeichnungen wie Early Access helfen bei der Einordnung.

Ein Spiel mit 82 Prozent positiven Bewertungen kann für den eigenen Geschmack am Ende die bessere Wahl sein als eines mit 96 Prozent. Steam zeigt mit seiner Prozentzahl schließlich keinen objektiven Qualitätstest, sondern fasst Tausende individuelle Kaufempfehlungen zu einem schnellen Signal zusammen.

Wer nur auf „Sehr positiv“ schaut, bekommt eine grobe Orientierung. Wer zwei Minuten länger in die Reviews schaut, erfährt meistens wesentlich mehr.

Über den Autor

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Nils Brandt

Ich bin Nils und schreibe bei Themenblick vor allem über Gaming, Sport, Technik, Filme und digitale Trends. Mich interessieren Themen, bei denen es nicht nur um die schnelle Schlagzeile geht, sondern auch um die Geschichte dahinter. In meiner Freizeit lese ich mich gerne in neue Themen ein, fahre Ski und mache ab und zu Roadtrips.

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