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Vor 2.000 Jahren gab es vermutlich Zehntausende Sprachen: Warum die meisten verschwunden sind

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Antiker Globus auf alten Büchern mit historischen Ruinen im Hintergrund als Symbol für die Geschichte und das Verschwinden Tausender Sprachen.

Rund 7.600 Sprachen werden heute auf der Welt gesprochen oder gebärdet. Das klingt nach enormer Vielfalt. Und doch ist es nur ein Bruchteil dessen, was es einmal gab.

Vor 1.000 bis 3.000 Jahren existierten vermutlich Zehntausende Sprachen nebeneinander. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die im Juli 2026 in der Fachzeitschrift Science erschienen ist. Die meisten dieser Sprachen sind verschwunden. Und der Rückgang begann lange vor dem europäischen Kolonialismus.

Vor 12.000 Jahren gab es weniger Sprachen als heute

Die Geschichte beginnt überraschend klein. Am Ende der letzten Eiszeit lebten nach Schätzungen nur etwa 4,4 bis 7 Millionen Menschen auf der Erde, ungefähr so viele, wie heute in Hessen leben.

Die Forschenden nehmen an, dass es damals etwa so viele Sprachen gab wie eigenständige Gemeinschaften. Daraus ergeben sich für diese Zeit 4.500 bis 6.200 Sprachen, also weniger als heute.

„Die Welt unmittelbar vor der Landwirtschaft war wahrscheinlich nicht außergewöhnlich reich an Sprachen“, sagt Erstautor Damián Blasi von der Universität Pompeu Fabra in Barcelona. Die große Vielfalt entwickelte sich erst in den folgenden Jahrtausenden.

Mehr Menschen, mehr Sprachen

Mit der Ausbreitung der Landwirtschaft änderte sich das Leben grundlegend. Ackerbau ermöglichte es, mehr Menschen zu ernähren, die Bevölkerung wuchs und immer mehr Gemeinschaften entstanden.

Auch Sprachen entwickelten sich weiter. Jede Generation verändert die Sprache, die sie spricht, ein wenig. Leben zwei Gruppen lange getrennt, entwickeln sich ihre Sprechweisen auseinander, bis man sich irgendwann nicht mehr versteht.

Wie das aussieht, zeigt das Latein. Über viele Jahrhunderte entwickelten sich daraus unter anderem Italienisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch und Rumänisch. Wo viele Gemeinschaften über lange Zeit unabhängig voneinander lebten, konnten auf diese Weise neue Sprachen entstehen.

Das goldene Zeitalter der Sprachen

Vor 1.000 bis 3.000 Jahren erreichte die Sprachenvielfalt laut Studie ihren Höhepunkt. Je nach Berechnungsmodell könnten damals zwischen 20.000 und 75.000 Sprachen gleichzeitig gesprochen worden sein. Die Forschenden sprechen von einem „goldenen Zeitalter“ der Sprachen.

Das liegt nicht in grauer Vorzeit. Es ist die Zeit, die wir aus dem Geschichtsunterricht kennen, mit Pharaonen, griechischen Stadtstaaten und dem Aufstieg Roms.

Von den meisten Sprachen dieser Epoche wissen wir heute praktisch nichts. Sie wurden nie schriftlich festgehalten. Viele verschwanden, ohne dass wir jemals ihren Namen erfahren haben.

In diese Zeit fällt auch die Wende: Mit der Ausbreitung großer Reiche begann laut Studie der lange Rückgang der Sprachenvielfalt.

Warum Reiche Sprachen verschwinden lassen

Wo ein Reich wuchs, verbreitete die herrschende Gruppe ihre Sprache, ihre Kultur und oft auch ihre Krankheiten. Wer mit Beamten, Soldaten oder Händlern des Reiches zu tun hatte, hatte einen guten Grund, deren Sprache zu lernen. Viele Sprachen der Eroberten, Vertriebenen und Dezimierten gingen dagegen verloren.

Ein Beispiel liegt mitten in Europa. Die Etrusker beherrschten einst große Teile Mittelitaliens. Mit dem Aufstieg Roms setzte sich dort zunehmend das Latein durch. Die etruskische Sprache verschwand. Ihre Schrift können wir heute lesen, verstehen aber nur einen Teil dessen, was dort steht.

Noch näher liegt das Rätische. Es wurde vor rund 2.000 Jahren in den Alpen gesprochen, unter anderem im heutigen Tirol, und verschwand im Zuge der Romanisierung. Das Rätoromanische in Graubünden trägt zwar den Namen der alten Region, stammt aber vom Latein ab.

Der europäische Kolonialismus verschärfte den Verlust von Sprachen später massiv. Begonnen hatte diese Entwicklung jedoch schon viel früher. Als europäische Seefahrer Amerika erreichten, war der weltweite Rückgang der Sprachenvielfalt laut der Studie bereits seit mehr als tausend Jahren im Gang.

Woher wollen Forschende das wissen?

Direkte Belege gibt es für den größten Teil dieser Zeit nicht. Schrift existiert erst seit rund 6.000 Jahren, und selbst danach blieb sie lange die Ausnahme.

Auch andere Teile der Vergangenheit lassen sich nur anhand indirekter Spuren rekonstruieren. So konnten Forschende die Geschichte des verlorenen Kontinents Greater Adria aus geologischen Hinweisen zusammensetzen.

Für die Sprachstudie nutzte das Forschungsteam deshalb Berechnungen. Grundlage waren Daten aus 171 Gesellschaften von Jägern, Sammlern und Fischern, deren traditionelle Lebensweise nur wenig von landwirtschaftlichen Gesellschaften beeinflusst wurde. Daraus schätzten die Forschenden, wie groß Gruppen ohne Landwirtschaft typischerweise sind.

Von diesem Startpunkt aus spielten sie Tausende mögliche Verläufe bis heute durch, mit Bevölkerungswachstum, Kriegen, Seuchen und Umweltkrisen. Die Zahlen sind also Schätzungen. Die Modelle landeten aber immer wieder beim selben Muster: ein Höhepunkt vor 1.000 bis 3.000 Jahren, danach ein steiler Rückgang.

Die Sprachen von heute sind Überlebende

Die rund 7.600 Sprachen, die es heute gibt, sind deshalb keine zufällige Auswahl. Überlebt haben vor allem die Sprachen von Gruppen, die sich ausbreiteten.

„Die Sprachen, die wir heute sehen, sind die Überlebenden eines massiven und sehr selektiven historischen Flaschenhalses“, sagt Mitautor Russell Gray vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Das betrifft beispielsweise Laute und grammatische Strukturen. Sind sie heute besonders verbreitet, muss das nicht bedeuten, dass sie einfacher oder praktischer sind. Möglicherweise waren sie lediglich Teil einer Sprache, deren Sprecher sich erfolgreich ausbreiteten.

Für bedrohte Sprachen steckt in der Studie trotzdem eine gute Nachricht. Wenn politische Verhältnisse Sprachen verschwinden lassen, können sie auch in die andere Richtung wirken. „Es ist nicht unvermeidlich, dass bedrohte Sprachen aussterben“, sagt die Linguistin Claire Bowern von der Yale University.

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Alba Aliti

Ich schreibe für Themenblick Artikel über Gaming, Wissen, Freizeit, Filme & Serien und Sport. Ich lese gerne, beschäftige mich mit unterschiedlichen Themen und mag es, Dinge so zu erklären, dass sie schnell verständlich werden. Gute Artikel sollten nämlich nicht nur informieren, sondern auch angenehm zu lesen sein.

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