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Palworld zwingt Nintendo in die Defensive

Geschrieben von Nils Brandt

Zuletzt aktualisiert am

Pikachu, Schiggy und Glurak stehen bewaffneten Palworld-Kreaturen in einer geteilten Fantasywelt gegenüber.

Bevor Palworld 1.0 startete, war noch unklar, ob das Spiel seinen gewaltigen Hype von 2024 noch einmal zurückholen kann. Zwei Wochen später ist die Antwort ziemlich eindeutig.

Am zweiten Wochenende nach der Vollversion erreichte Palworld auf Steam 961.867 gleichzeitig aktive Spieler. Nur der ursprüngliche Early-Access-Start im Januar 2024 war noch größer. Ein Spiel, das viele bereits als kurzlebigen Internet-Hype abgeschrieben hatten, schaffte damit praktisch einen zweiten erfolgreichen Launch.

Der Hype ist tatsächlich zurück

Palworld 1.0 erschien offiziell am 10. Juli 2026. Kurz davor meldete Pocketpair bereits mehr als 40 Millionen Spieler über alle Plattformen hinweg. Die Vollversion brachte eine überarbeitete Hauptgeschichte, den lange angekündigten Weltenbaum, das neue Gebiet Sunreach, 72 zusätzliche Pals und ein erhöhtes Levelmaximum von 80.

Palworld ist damit längst mehr als „Pokémon mit Waffen“. Pocketpair hat aus der viralen Idee ein umfangreiches Survival-Spiel mit Basenbau, Zucht, Automatisierung, Bosskämpfen und echtem Koop entwickelt.

Fast eine Million gleichzeitige Steam-Spieler sind für ein Studio dieser Größe außergewöhnlich. Vor allem, weil der erste Hype bereits zweieinhalb Jahre zurückliegt. Palworld konnte seine frühere Spielerschaft zurückholen und gleichzeitig beweisen, dass die Marke langfristig funktioniert.

Nintendo bekam Palworld nicht aus der Welt

Die Diskussion um Nintendo und Pocketpair begann lange vor dem Patentstreit. Kein Wunder, die Ähnlichkeiten sind nicht zu übersehen: Einige Pals erinnern deutlich an bekannte Pokémon. Als Nintendo und The Pokémon Company im September 2024 juristisch gegen Pocketpair vorgingen, standen allerdings keine Kreaturendesigns im Mittelpunkt, sondern bestimmte Spielmechaniken. Gefordert wurden eine Unterlassung sowie insgesamt zehn Millionen Yen Schadenersatz zuzüglich Verzugszinsen.

Die Klage hinterließ Spuren. Pocketpair entfernte Ende 2024 die Animation, bei der Pals durch das Werfen einer Pal-Sphäre beschworen wurden. Im Mai 2025 wurde außerdem das Gleiten mit bestimmten Pals verändert. Das Studio bestätigte selbst, dass diese Anpassungen wegen des laufenden Verfahrens vorgenommen wurden.

Trotzdem erreichte Nintendo sein Ziel bisher nicht: Palworld verschwand weder vom Markt noch verlor es seine Bedeutung. Im Gegenteil: Version 1.0 löste den zweitgrößten Spieleransturm der bisherigen Geschichte aus.

Juristisch ist der Fall weiterhin offen. Nintendo und The Pokémon Company sollen ihre Vorwürfe inzwischen auf ältere Palworld-Versionen eingegrenzt haben. Außerhalb des Gerichtssaals konnte Nintendo den Konkurrenten bisher jedenfalls nicht ausbremsen.

Die eigentliche Konkurrenz ist das Geschäftsmodell

Ursprünglich entstand Palworld mit einem Budget von weniger als einer Milliarde Yen, damals ungefähr 6,7 Millionen US-Dollar. Für ein kleines Studio war das ein enormes Risiko. Verglichen mit modernen AAA-Produktionen, die häufig weit über 100 Millionen Dollar kosten, blieb das Projekt jedoch überschaubar.

Palworld ähnelt Pokémon. Beide Spiele setzen auf das Sammeln, Trainieren und Kämpfen mit fantastischen Kreaturen. Palworld ergänzt dieses Prinzip jedoch um Survival, Basenbau, Automatisierung und umfangreichen Multiplayer. Dazu kommt die Veröffentlichung auf PC, Xbox und PlayStation, während Pokémon weiterhin an Nintendo-Hardware gebunden bleibt.

Palworld hat gezeigt, dass Millionen Menschen ein offeneres Kreaturensammelspiel mit Koop und moderneren Systemen wollen. Nintendo hätte diese Nachfrage selbst bedienen können, überließ die Lücke aber einem deutlich kleineren Studio.

Auch beim Preis wird der Vergleich unangenehm. Palworld wurde günstiger veröffentlicht und erhielt seine großen Updates bislang ohne teure Zusatzpakete.

Vom Überraschungshit zum Gegenmodell

Pocketpair nutzt den Erfolg inzwischen, um selbst kleinere Studios zu finanzieren. Anfang 2025 gründete das Unternehmen eine eigene Publishing-Sparte, die Entwickler bei Finanzierung, Vermarktung, Qualitätssicherung und Veröffentlichung unterstützt.

Dabei will Pocketpair weder die Studios übernehmen noch deren Markenrechte besitzen. Die Verträge sollen flexibler ausfallen als bei vielen traditionellen Publishern, während die Entwickler mehr Kontrolle über ihre Projekte behalten.

Aus einem Überraschungshit entsteht damit ein eigenes Modell für die Branche. Ein kleines Studio landet einen weltweiten Erfolg, bleibt unabhängig und investiert das verdiente Geld anschließend in weitere ungewöhnliche Spiele.

Pocketpair hat bewiesen, dass ein kleines Studio in einen Markt eindringen kann, den Pokémon jahrzehntelang klar dominierte. Selbst eine Patentklage konnte weder die Veröffentlichung der Vollversion verhindern, noch die Spieler abschrecken. Das Problem war nie Palworld, sondern die Frage, wieso Nintendo diese offene Lücke überhaupt zuließ.

Über den Autor

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Nils Brandt

Ich bin Nils und schreibe bei Themenblick vor allem über Gaming, Sport, Technik, Filme und digitale Trends. Mich interessieren Themen, bei denen es nicht nur um die schnelle Schlagzeile geht, sondern auch um die Geschichte dahinter. In meiner Freizeit lese ich mich gerne in neue Themen ein, fahre Ski und mache ab und zu Roadtrips.

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