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Millionen verkauft, trotzdem entlassen: Warum Erfolg Entwickler nicht mehr schützt

Geschrieben von Nils Brandt

Zuletzt aktualisiert am

Verlassener Arbeitsplatz in einem Spieleentwicklerstudio mit gepacktem Karton auf dem Schreibtisch

Eigentlich sollten zwei Millionen verkaufte Exemplare am ersten Tag für ein Entwicklerteam ein Grund zum Feiern sein. Bei Ubisoft Barcelona folgten stattdessen Kündigungsschreiben für 51 Beschäftigte, die an Assassin’s Creed Black Flag Resynced mitgearbeitet hatten.

Auch id Software wurde massiv verkleinert. Berichten zufolge strich das Studio hinter Doom 136 Stellen, obwohl es über Jahre erfolgreiche und stark bewertete Spiele entwickelt hatte.

Warum reicht ein erfolgreiches Spiel heute nicht mehr aus, um die Arbeitsplätze der Menschen dahinter zu sichern?

Erfolgreiche Spiele, unsichere Jobs

Am 9. Juli 2026 erschien Black Flag Resynced und verkaufte sich bereits am ersten Tag zwei Millionen Mal. Das Remake erzielte zudem den stärksten bisherigen Steam-Start der Reihe und wurde von Kritikern überwiegend positiv aufgenommen.

Für Ubisoft Barcelona endete das Projekt trotzdem bitter. Das Studio war unter anderem auch an den gelobten Unterwassermissionen beteiligt. Kurz nach dem Release erhielten 51 Beschäftigte ihre Kündigungsschreiben. Aus Protest legten die Beschäftigten die Arbeit drei Tage nieder und demonstrierten gegen den Stellenabbau. Verhindern konnte der Streik die Entlassungen bislang nicht.

Noch größer fielen die Einschnitte bei id Software aus. Trotz erfolgreicher Doom-Reihe wurden 136 Beschäftigte entlassen. Grund für diese Kürzungen sollen umfassende Umstrukturierungen bei Xbox und Bethesda sein.

Ein erfolgreiches Spiel bedeutet nicht automatisch ein erfolgreiches Unternehmen

Hohe Verkaufszahlen zeigen, dass ein einzelnes Produkt gut funktioniert. Sie sagen wenig darüber aus, wie es dem gesamten Unternehmen geht. Publisher finanzieren zahlreiche Studios, abgebrochene Projekte, Marketing, Technik und jahrelange Entwicklungsphasen. Der Erfolg eines Spiels kann Verluste an anderen Stellen daher nicht automatisch ausgleichen.

Bei Ubisoft trifft der erfolgreiche Start von Black Flag Resynced auf einen Konzern, der bereits tief in einer finanziellen und strukturellen Krise steckt. Im Geschäftsjahr 2025/26 meldete das Unternehmen einen operativen Verlust von rund 1,32 Milliarden Euro. Die Net Bookings sanken gleichzeitig um 17,4 Prozent. Ubisoft reduzierte seine Kosten, stellte Projekte ein und verschob weitere Spiele.

Entwickler werden für ein Projekt gebraucht – nicht unbedingt danach

Unterstützende Studios arbeiten häufig jahrelang an einzelnen Bereichen eines großen Spiels. Danach benötigen sie ein neues Projekt. Bleibt dieses aus, kann ein fehlender Auftrag schnell zu Entlassungen führen.

Bei Ubisoft Barcelona hatten Beschäftigte bereits früh darauf hingewiesen, dass dem Team kein Anschlussprojekt zugeteilt worden war. Nach zweieinhalb Jahren Arbeit an Black Flag Resynced endete das Projekt für 51 von ihnen mit einer Kündigung.

Der Fall zeigt eine bittere Realität der modernen Spielentwicklung: Ein erfolgreicher Release stärkt vor allem die Marke. Das Team, das ihn möglich gemacht hat, ist dadurch aber nicht automatisch geschützt.

Mit den Beschäftigten geht auch Wissen verloren

Bei Entlassungen verschwindet mehr als eine Zahl aus der Personaltabelle. Studios verlieren Erfahrung, technische Kenntnisse und eingespielte Arbeitsabläufe. Neue Beschäftigte können diese Lücken nicht sofort schließen.

id Software erklärte nach den Kürzungen, weiterhin über genügend Personal zu verfügen. Das Team sei heute ungefähr so groß wie während der Entwicklung von Doom aus dem Jahr 2016. Dies blendet aber zehn Jahre Entwicklung aus. In dieser Zeit wurden neue Mitarbeiter ausgebildet, eigene Technologien weiterentwickelt und Teams aufeinander abgestimmt.

Gewerkschaften versuchen, das Muster zu durchbrechen

Nach den Xbox-Kürzungen organisierten Beschäftigte Proteste an mehreren Standorten. Gefordert wurden unter anderem Versetzungen auf offene Stellen, bessere Abfindungen, eine längere Krankenversicherung und bevorzugte Wiedereinstellungen.

Diese Fälle zeigen, wie wenig ein erfolgreicher Release heute über die Sicherheit der Menschen dahinter aussagt. Verkäufe und Bewertungen können eine Marke stärken, während Teams gleichzeitig verkleinert oder aufgelöst werden.

Für Spieler bleibt ein erfolgreiches Produkt zurück. Für Entwickler das letzte gemeinsame Projekt.

Über den Autor

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Nils Brandt

Ich bin Nils und schreibe bei Themenblick vor allem über Gaming, Sport, Technik, Filme und digitale Trends. Mich interessieren Themen, bei denen es nicht nur um die schnelle Schlagzeile geht, sondern auch um die Geschichte dahinter. In meiner Freizeit lese ich mich gerne in neue Themen ein, fahre Ski und mache ab und zu Roadtrips.

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