Von Berlin nach Amsterdam. So weit würde das Filmmaterial reichen, das Christopher Nolan für Die Odyssee (Originaltitel: The Odyssey) belichten ließ. Mehr als 2,1 Millionen Fuß IMAX-Film liefen während der Produktion durch die Kameras. Fast 640 Kilometer Material für einen Film, der am Ende knapp drei Stunden dauert.
Nolan hat Homers berühmte Irrfahrt damit nicht einfach verfilmt. Er hat die Produktion selbst in eine Odyssee verwandelt. Neue Kameratechnik, eine 140 Kilogramm schwere Konstruktion, reale Schiffe und Drehorte in sechs Ländern trieben das Team immer wieder an die Grenzen des Machbaren.
Mit einem Budget von 250 Millionen US-Dollar war auch das Risiko enorm. Doch bereits am ersten Wochenende spielte der Film weltweit 264,1 Millionen Dollar ein.
Der offizielle Trailer zeigt bereits, wie stark Nolan auf gewaltige Bilder, reale Schauplätze und praktische Kulissen setzt.
Eine 140-Kilo-Maschine für leise Momente
Analoge IMAX-Kameras liefern gewaltige Bilder, verursachen gleichzeitig aber auch gewaltigen Lärm. Der Filmstreifen rast mechanisch durch die Kamera und ließ ruhige Dialogaufnahmen bislang kaum zu. Deshalb wurde das Format vor allem für Actionszenen eingesetzt.
Doch Nolan wollte mehr. Auch intime Nahaufnahmen sollten in voller IMAX-Qualität entstehen. Gemeinsam mit Kameramann Hoyte van Hoytema drängte er IMAX zu einer Lösung. Das Ergebnis war die neue Keighley-Kamera mit einer schallgedämmten Ummantelung, die am Set schlicht „Blimp“ genannt wurde. Diese Lösung war allerdings alles andere als handlich. Das komplette System wog rund 140 Kilogramm und musste umständlich von mehreren Mitarbeitern bewegt werden.
Bei Dialogszenen versperrte das riesige Gehäuse den Schauspielern zudem oft die Sicht aufeinander. Nolan ließ deshalb Spiegel neben der Kamera montieren. Darin konnten die Darsteller das Gesicht ihres Gegenübers sehen und ihre Blickrichtung trotzdem nah am Objektiv halten. So entstanden intime Szenen mit einer Kamera, die eher an eine Industriemaschine als an gewöhnliche Filmausrüstung erinnert.
Dieser Aufwand markiert einen technischen Durchbruch. Die Odyssee ist der erste Kinofilm, der vollständig mit analogen IMAX-Filmkameras aufgenommen wurde.
Ein ganzer Film aus Drei-Minuten-Etappen
Jede IMAX-Filmkassette reichte nur für zweieinhalb bis drei Minuten. Danach war das Material aufgebraucht, die Kamera musste geöffnet und neu geladen werden. Jede Aufnahme lief damit unter einem Zeitdruck, den digitale Produktionen kaum noch kennen. Hauptdarsteller Tom Holland wusste das an seinem ersten Drehtag noch nicht und dachte zunächst, Nolan sei mit seiner Leistung unzufrieden. Tatsächlich war einfach nur die Kassette leer.
Trotz dieser ständigen Unterbrechungen dauerte der Dreh 91 Tage und endete sogar neun Tage früher als geplant. Die Produktion führte unter anderem nach Griechenland, Island, Marokko und Schottland. Gedreht wurde an echten Küsten, in Höhlen, auf Burgen und auf offenem Meer. Auch die Schiffe und große Menschenmengen entstanden größtenteils direkt vor der Kamera. Nolan wollte nämlich eine Welt schaffen, die sich auch für das Publikum ebenso real anfühlte wie für die Schauspieler.
Mit Schere und Kleber
Der analoge Wahnsinn endete jedoch nicht nach dem Dreh. In einem der letzten Filmlabore, die solche Kopien noch herstellen können, wurde das Negativ tatsächlich von Hand geschnitten und zusammengeklebt. Bei Tausenden Schnitten musste jeder Handgriff sitzen. Ein einziger Fehler konnte wertvolles Originalmaterial beschädigen.
Auch die Farben der analogen Kopien wurden photochemisch angepasst. Statt Mausklicks entstanden Testabzüge, die mit Farbfiltern kontrolliert wurden. Anschließend belichteten exakt eingestellte farbige Lichtquellen das Material für die endgültigen Kinokopien. Ein paar Mausklicks hätten weitaus weniger Arbeit verursacht, aber Nolan wollte genau diesen analogen Look, für den er diesen gesamten Aufwand betrieb.
Ein Film, den fast niemand in seiner ganzen Größe sieht
Hier liegt der große Haken: IMAX ist nicht gleich IMAX. In einem echten 70-mm-IMAX-Kino läuft Die Odyssee im beinahe quadratischen Seitenverhältnis von 1,43:1. Gewöhnliche Kinofassungen sind deutlich breiter. Die IMAX-Fassung zeigt deshalb oben und unten erheblich mehr von dem Bild, das Nolan tatsächlich aufgenommen hat.
Wie groß der Unterschied ist, zeigt der direkte Vergleich:

Die 70-mm-IMAX-Fassung zeigt oben und unten deutlich mehr vom aufgenommenen Bild.
Zum Filmstart konnten weltweit nur 41 Kinos Die Odyssee auf analogem 70-mm-IMAX-Film zeigen. Wer in Europa das volle Format erleben möchte, hat mit gerade einmal sechs Standorten kaum Auswahl:
- BFI IMAX, London
- Science Museum, London
- Vue Printworks, Manchester
- Kinepolis, Brüssel
- Cinema City IMAX, Prag
- Pathé Odysseum, Montpellier
Nolan drehte also den ersten vollständigen IMAX-Spielfilm der Geschichte, obwohl nur ein kleiner Teil der weltweiten Kinos seine Maximalversion zeigen kann. Trotzdem bleibt Die Odyssee auch in einem gewöhnlichen Saal ein großes Kinoerlebnis. Das vollständige Bild, für das eine neue Kamera gebaut und mehr als zwei Millionen Fuß Film belichtet wurden, bleibt jedoch nur wenigen Zuschauern vorbehalten.
Odysseus brauchte zehn Jahre, um nach dem Trojanischen Krieg in seine Heimat zurückzukehren. Christopher Nolan brauchte 91 Drehtage, 640 Kilometer Film und eine völlig neu entwickelte Kamera. Damit wurde auch die Produktion von Die Odyssee zu einer eigenen Odyssee.

[…] Aufwand beschränkte sich dabei nicht auf die Musik. Wie weit Christopher Nolan auch bei der Produktion von „Die Odyssee“ ging, zeigt […]
[…] Përpjekja e jashtëzakonshme nuk u kufizua vetëm te muzika. Në Themenblick mund të lexoni se deri ku shkoi Christopher Nolan edhe gjatë produksionit të “Odisesë”. […]