Bei manchen Fußballprofis sieht die Ausrüstung aus, als hätte sie mehrere Zweikämpfe überstanden: Hinten an den Waden klaffen große, oft kreisrunde Löcher. Jude Bellingham ist eines der bekanntesten Beispiele, und auch bei der WM 2026 war der ungewöhnliche Anblick wieder zu sehen.
Die Stutzen sind nicht versehentlich gerissen. Viele Spieler schneiden die Löcher selbst hinein. Die Gründe sind praktischer, als es aussieht.
Mehr Platz für die Waden
Fußballstutzen sitzen eng, damit sie beim Laufen nicht verrutschen und die Schienbeinschoner bedeckt bleiben. Für Spieler mit kräftigen Waden kann der Stoff unter Belastung unangenehm spannen. Mit der Schere schaffen sie an der Rückseite der Stutzen etwas Platz. Die betroffenen Stellen geben nach, ohne dass der ganze Strumpf locker sitzen muss.
Manche Profis wollen so auch Wadenkrämpfen vorbeugen. Der ehemalige Bundesligaspieler Sven Michel berichtete, dass er die Methode wegen seiner häufigen Wadenkrämpfe ausprobiert habe. Er empfand den geringeren Druck als hilfreich und hatte das Gefühl, dadurch weniger schnell Krämpfe zu bekommen.
Verhindern die Löcher wirklich Muskelkrämpfe?
Wissenschaftlich belegt ist das nicht. Sportwissenschaftler Ingo Froböse erklärte, dass sich eine Entlastung im Wadenbereich zwar angenehmer anfühlen könne, dadurch aber keine Krämpfe verhindert würden.
Im modernen Profisport werden körperliche Belastung und Leistungsdaten bis ins Detail erfasst. Ob sich ein Spieler mit aufgeschnittenen Stutzen wohler fühlt, bleibt dagegen eine persönliche Erfahrung, ähnlich wie bei Kinesio-Tape und anderen Methoden im Profifußball, bei denen subjektives Empfinden und messbarer Nutzen oft auseinanderliegen.
Sind Löcher in den Stutzen überhaupt erlaubt?
In der deutschen Bundesliga sind Löcher in den Stutzen eigentlich verboten. Die Ausrüstungsrichtlinie der Deutschen Fußball Liga (DFL) schreibt ausdrücklich vor, dass sichtbare Stutzen und Unterziehsocken keine Löcher enthalten dürfen.
Auch das FIFA-Ausrüstungsreglement sieht vor, dass Stutzen nicht sichtbar zugeschnitten oder verändert sein dürfen. Trotzdem waren bei der WM 2026 unter anderem Jude Bellingham und Julian Ryerson mit solchen Aussparungen zu sehen.
Nicht zu verwechseln sind die Löcher an der Wade mit einem anderen Kniff: Manche Spieler schneiden den Fußteil ihrer Stutzen ab und tragen stattdessen spezielle Grip-Socken im Fußballschuh, die für besseren Halt sorgen sollen.

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