Zum Inhalt springen

KI macht Gaming teurer: Was hinter den explodierenden Konsolenpreisen steckt

Geschrieben von Nils Brandt

Zuletzt aktualisiert am

PlayStation, Xbox und Nintendo Switch vor einem KI-Rechenzentrum mit steigender Preiskurve, Geld und Speicherchips

Normalerweise wird Hardware mit jedem Jahr günstiger. Wer nicht direkt zum Launch zugreift, wartet einfach auf die erste Preissenkung. Nicht bei der PS5.

Die PS5 Digital Edition erschien in Europa 2020 für 399,99 Euro. Statt günstiger zu werden, hat Sony den Preis auf 599,99 Euro erhöht. Nicht anders läuft es bei Microsoft: Seit dem 1. August sind Xbox-Konsolen je nach Modell um 150 bis 200 Euro teurer. Nintendo erhöht den Preis der Switch 2 im September ebenfalls um rund 30 Euro.

Zölle, Inflation und Wechselkurse spielen dabei eine Rolle. Der neue Preistreiber, der gerade den gesamten Technikmarkt durchschüttelt, heißt aber KI. Ihre Rechenzentren brauchen so viel Speicher, dass Konsolen, PCs, Grafikkarten und Handhelds um den Rest kämpfen müssen.

KI kauft den Konsolen den Speicher weg

Eine PS5 besitzt 16 GB Speicher. Eine einzige Blackwell-Ultra-GPU von Nvidia kommt auf 288 GB. Rein nach Speichermenge entspricht das 18 PS5-Konsolen. Doch eine solche GPU steht nicht allein in einem Serverraum. Nvidias GB300-NVL72-System verbindet 72 davon in einem einzigen Rack. Das ergibt rund 20,7 Terabyte GPU-Speicher oder umgerechnet fast 1.300 PS5-Konsolen.

Microsoft nahm 2025 für OpenAI einen Cluster mit mehr als 4.600 Blackwell-Ultra-GPUs in Betrieb. Allein deren Speicher entspricht grob 83.000 PS5-Konsolen. Gleichzeitig plant OpenAI mit dem Stargate-Projekt Investitionen von bis zu 500 Milliarden Dollar. Und auch Amazon, Meta, Google und andere Tech-Konzerne bauen ihre Infrastruktur weiter aus.

Einer Branchenprognose zufolge könnten Rechenzentren 2026 rund 70 Prozent der weltweiten Speicherchipproduktion aufnehmen. Für Konsolen, PCs, Smartphones und Grafikkarten bleibt damit ein immer kleinerer Teil der Produktion übrig.

HBM3E und der GDDR6-Speicher einer PS5 sind zwar nicht identisch. Sie stammen aber von denselben großen Speicherherstellern und konkurrieren um Produktionskapazitäten. HBM benötigt zudem deutlich mehr Waferfläche als gewöhnlicher DRAM. Der KI-Boom kauft also nicht einfach den letzten RAM-Riegel im Laden weg. Er sorgt dafür, dass die Fabriken ihre lukrativsten Kapazitäten gar nicht mehr zuerst für Konsolen, PCs und Grafikkarten einsetzen.

Warum nicht einfach mehr RAM produziert wird

Der weltweite DRAM-Markt wird hauptsächlich von Samsung, SK Hynix und Micron beherrscht. Sie könnten neue Fabriken bauen, doch das kostet Milliarden und dauert mehrere Jahre. Außerdem wäre es für die Hersteller ein gewaltiges Risiko. Bricht die KI-Nachfrage ein, stehen plötzlich teure Fabriken herum, deren Kapazität niemand mehr braucht.

Solange Rechenzentren beinahe jeden Preis bezahlen, gibt es wenig Grund, dieses Risiko einzugehen. Für Samsung, SK Hynix und Micron ist HBM wesentlich lukrativer als gewöhnlicher Speicher für einen Gaming-PC oder eine Konsole.

Micron ging sogar so weit, seine bekannte Verbrauchermarke Crucial einzustellen. Die letzten Produkte wurden bis Februar 2026 ausgeliefert. Statt RAM und SSDs direkt an normale PC-Nutzer zu verkaufen, konzentriert sich das Unternehmen stärker auf Rechenzentren und Unternehmenskunden. Deutlicher kann ein Hersteller kaum zeigen, wo derzeit das große Geld liegt.

Speicher wird absurd teuer

Die Folgen sind längst auf dem Markt angekommen. TrendForce erwartete für das zweite Quartal 2026 Preissteigerungen von 58 bis 63 Prozent bei herkömmlichem DRAM. Bei NAND-Flash, das unter anderem in SSDs und Konsolenspeicher steckt, waren es sogar 70 bis 75 Prozent.

Xbox beschreibt die Lage noch drastischer. Im Februar zahlte Microsoft für bestimmte Speicherbauteile bereits mehr als doppelt so viel wie im vorherigen Herbst. Seitdem verdoppelten sich diese Kosten laut dem Unternehmen erneut. Für das Weihnachtsgeschäft 2027 rechnet Xbox mit Preisen, die mehr als fünfmal so hoch liegen könnten wie zwei Jahre zuvor. Auch die RAM-Kosten hätten sich ähnlich entwickelt.

Diese Kosten bleiben nicht bei den Herstellern hängen. Sie landen auf dem Preisschild. Im Mai 2026 wurden in den USA so wenige PlayStation-Konsolen verkauft wie in keinem Mai seit dem Jahr 2000. Für Xbox war es sogar der schwächste Mai seit Beginn der Aufzeichnungen. Der durchschnittlich bezahlte Preis für neue Gaming-Hardware lag mittlerweile bei 502 Dollar. Natürlich spielt auch das Alter der aktuellen Konsolengeneration eine Rolle. Die Preiserhöhungen machen die Lage aber nicht besser.

Die Konsole war jahrzehntelang der günstige Einstieg ins Gaming. Genau das beginnt gerade zu bröckeln. Aus einem Gerät, das Eltern zu Weihnachten kaufen konnten, wird langsam ein Luxusprodukt.

Was passiert, wenn die PS6 zu teuer wird?

Sony hat weder den Preis noch den Starttermin der PS6 bestätigt. Bleiben die Speicherpreise so hoch, stehen Sony mehrere unangenehme Möglichkeiten offen: mehr verlangen, an der Hardware sparen, die Konsole stark subventionieren oder den Start verschieben.

Das größere Problem beginnt nach dem Launch. Eine neue Konsole braucht schnell Millionen Käufer, damit Entwickler ihre Spiele darauf ausrichten. Bleibt die PS6 wegen ihres Preises ein Nischenprodukt, entwickeln Studios weiter hauptsächlich für die riesige PS5-Spielerschaft. Dann fehlen echte Next-Gen-Spiele und damit wiederum Gründe, überhaupt auf die PS6 umzusteigen.

Die Branche holt sich das Geld an anderer Stelle zurück

Wenn Sony und Microsoft mit der Hardware weniger verdienen oder weniger Konsolen verkaufen, brauchen sie andere Einnahmequellen. Abonnements werden teurer, Spiele kosten häufiger 80 Dollar und die Plattformbetreiber versuchen, jeden Verkauf stärker zu kontrollieren.

Wie stark die Branche gerade auf mehr Kontrolle und höhere Margen setzt, zeigt Sony: Ab Januar 2028 werden für neu erscheinende PlayStation-Spiele keine physischen Discs mehr produziert. Alte Discs funktionieren weiter, neue Spiele werden aber nur noch digital angeboten. Selbst die physische Version von GTA VI enthält keinen Datenträger, sondern lediglich einen Downloadcode.

KI hat die Disc nicht eigenhändig abgeschafft. Der Speicherboom erhöht aber den Druck auf eine Branche, die ohnehin mehr Geld aus jedem Spieler holen will. Bei digitalen Spielen gibt es keinen Gebrauchtmarkt, kein einfaches Verleihen und keinen günstigen Fund beim Händler. Sony kontrolliert den Preis und jeder neue Spieler muss eine eigene Lizenz kaufen.

Auch Cloud Gaming könnte von den hohen Hardwarepreisen profitieren. Wer sich keine neue Konsole oder Grafikkarte leisten kann, mietet die Leistung bei Nvidia. Doch selbst zahlende GeForce-Now-Kunden erhalten nur 100 Stunden Premium-Spielzeit pro Monat. Danach müssen sie zusätzliche Stunden kaufen oder bis zum nächsten Monatskontingent warten.

Wer weder Hardware noch Spiele auf einem Datenträger besitzt, gibt immer mehr Kontrolle ab. Anbieter können Preise erhöhen, Spielzeit begrenzen, Games entfernen oder einen Dienst komplett einstellen.

Am Ende trifft es auch die Spiele selbst

Die Speicherkrise kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Gaming-Branche ohnehin unter Druck steht. Microsoft will bei Xbox im Laufe des Geschäftsjahres rund 3.200 Stellen abbauen. Vier Studios verlassen den Konzern und werden unter neuer Führung weitergeführt. Bei id Software verloren Berichten zufolge 136 Beschäftigte ihren Job.

Diese Entlassungen passieren nicht allein wegen hoher RAM-Preise. Die Branche kämpft schon länger mit explodierenden Entwicklungskosten, überteuerten Übernahmen und gescheiterten Live-Service-Projekten. Der KI-Boom verschärft die Lage aber zusätzlich.

Wenn künftig weniger Menschen neue Konsolen kaufen, rechnen Publisher mit einem kleineren Markt. Dann werden riskante Ideen schwerer durchgewunken. Ein Remake einer bekannten Marke ist leichter zu verkaufen als ein neues Spiel, dessen Entwicklung fünf Jahre dauert. Alte Plattformen werden länger unterstützt, neue Technik wird langsamer ausgereizt und Mikrotransaktionen werden noch wichtiger.

Gaming könnte teurer und vorsichtiger werden. Die Richtung ist klar: weniger Besitz, mehr Abhängigkeit und mehr Kontrolle durch die Plattformbetreiber. Das Spiel liegt nicht mehr im Regal und beim Cloud Gaming bestimmt der Anbieter sogar, wie viele Premium-Stunden du bekommst. Der KI-Boom hat diese Entwicklung nicht gestartet, drückt aber gerade kräftig aufs Gaspedal.

Über den Autor

44 Artikel

Nils Brandt

Ich bin Nils und schreibe bei Themenblick vor allem über Gaming, Sport, Technik, Filme und digitale Trends. Mich interessieren Themen, bei denen es nicht nur um die schnelle Schlagzeile geht, sondern auch um die Geschichte dahinter. In meiner Freizeit lese ich mich gerne in neue Themen ein, fahre Ski und mache ab und zu Roadtrips.

Offene Diskussion

Diskussion starten

Mitdiskutieren

Teilen Sie Kontext, Korrekturen und durchdachte Perspektiven. Bleiben Sie hilfreich, konkret und respektvoll.

Ihre Perspektive hinzufügen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Pflichtfelder sind mit * markiert.