Auf Steam kann ein gutes Spiel erscheinen und trotzdem fast niemandem auffallen. Nicht, weil die Bewertungen schlecht sind oder das Konzept niemanden interessiert, sondern weil Tausende Titel gleichzeitig um Aufmerksamkeit im Steam-Store kämpfen.
Valve verändert nun einen Bereich, der für diese Sichtbarkeit eine wichtige Rolle spielen kann. Statt einer begrenzten Zahl kuratierter Platzierungen sollen dort künftig stärker personalisierte Empfehlungen für rabattierte Spiele und Sale-Events erscheinen.
Valve hat personalisierte Empfehlungen bereits getestet
Betroffen ist der Bereich „Rabatte & Events“, der reduzierte Spiele und laufende Aktionen auf Steam hervorhebt. Bisher waren viele dieser Plätze fest eingeplant und nur begrenzt verfügbar. Valve testete in den vergangenen Monaten, einen Teil davon durch dynamische und personalisierte Empfehlungen zu ersetzen.
Am 29. September bestätigte Valve den Versuch schließlich selbst. Laut dem Unternehmen konnten dadurch innerhalb dieses Bereichs pro Tag zehnmal mehr Spiele gezeigt werden. Gleichzeitig seien Shop-Aufrufe, Wunschlisteneinträge und das Hinzufügen zum Warenkorb gestiegen. Anfang 2027 soll der bisherige kuratierte Kalender in diesem Bereich vollständig durch das dynamischere System ersetzt werden.
Das klingt zunächst nach einer kleinen Änderung an einer einzelnen Fläche des Stores. Für ein Indie-Spiel kann diese Fläche jedoch den Unterschied zwischen kaum vorhandener Aufmerksamkeit und mehreren Tausend zusätzlichen Aufrufen ausmachen.
Aus 14 Besuchen wurden plötzlich 7.341
Wie stark sich die neue Platzierung auswirken kann, zeigen interne Steam-Daten, die Tim Bender, CEO des Indie-Publishers Hooded Horse, veröffentlicht hat. Den Namen des betreffenden Spiels nannte Bender nicht, die Entwicklung der Aufrufzahlen ist jedoch deutlich: Innerhalb von sechs Monaten kamen insgesamt 7.355 Aufrufe der Store-Seite über den Bereich „Rabatte & Events“ zustande.
7.341 dieser Besuche entfielen allein auf den jüngsten Monat. In den fünf Monaten davor waren über dieselbe Platzierung zusammen lediglich 14 Besuche gekommen. Für dieses Spiel wurde ein zuvor praktisch bedeutungsloser Bereich der Steam-Startseite damit innerhalb kurzer Zeit zu einer wichtigen Quelle für neue Store-Aufrufe.
Bender berichtet außerdem von ähnlichen Sprüngen bei anderen kleineren Spielen: Aus nahezu keinem Traffic wurden ebenfalls mehrere Tausend Besuche. Die Zahlen zeigen vor allem, welches Potenzial die stärker personalisierten Empfehlungen für bislang wenig sichtbare Titel haben können.
Das alte Problem: Sichtbarkeit auf Steam ist knapp
Für kleine Entwickler ist Sichtbarkeit auf Steam seit Jahren eine der größten Hürden. Bereits 2025 erschienen dort mehr als 21.000 Spiele. Wer zwischen all diesen Neuerscheinungen nicht direkt Aufmerksamkeit bekommt, kann schnell wieder aus dem Blickfeld verschwinden.
Qualität allein garantiert auf Steam keine prominente Sichtbarkeit. Je nach Bereich spielen unter anderem Verkäufe, Nutzervorlieben und die Tags eines Spiels eine Rolle. Zusätzlich empfiehlt Valve Entwicklern, potenzielle Spieler auch über externe Kanäle zu erreichen.
Die personalisierten Rabatt-Empfehlungen könnten kleineren Titeln zusätzliche Sichtbarkeit verschaffen. Tim Bender berichtet etwa, dass ihm plötzlich sehr kleine oder ältere Spiele angezeigt wurden, die teilweise nur wenige Hundert Rezensionen besitzen. Nicht weil sie generell besonders erfolgreich sind, sondern weil sie offenbar besser zu seinen Interessen passen.
Für Spieler könnten Rabatte interessanter werden
Von der Änderung profitieren nicht nur Entwickler. Wer regelmäßig durch Steam scrollt, kennt das Problem: Trotz Tausender verfügbarer Spiele begegnen einem immer wieder dieselben großen Titel, Bestseller und bekannten Rabattaktionen.
Ein stärker personalisierter Rabattbereich kann stattdessen Spiele hervorholen, die bisher keinen der begrenzten kuratierten Plätze bekommen hätten. Wer viele Rundenstrategiespiele besitzt, könnte dadurch eher ein unbekanntes Strategiespiel im Sale entdecken. Für Fans kleiner Rollenspiele oder spezieller Simulationen gilt dasselbe.
Valve beschreibt das eigene Ziel recht simpel: Das richtige Spiel soll dem richtigen Kunden gezeigt werden. Im Test wurden dafür einige kuratierte Plätze durch personalisierte Empfehlungen ersetzt, sodass deutlich mehr Spiele in diesem Bereich sichtbar werden konnten.
Damit könnte sich vor allem verändern, welche Rabattangebote einzelne Nutzer auf der Steam-Startseite und an anderen Stellen des Stores sehen. Statt auf wenige kuratierte Plätze begrenzt zu sein, können mehr Angebote passend zu den Interessen einzelner Spieler sichtbar werden.
Personalisierung hat auch einen Haken
Ein Algorithmus kann jedoch nur empfehlen, was er als passend einstuft. Wer hauptsächlich Strategiespiele kauft, könnte dadurch immer mehr Strategiespiele sehen. Titel aus völlig anderen Genres haben es möglicherweise schwerer, überhaupt im eigenen Feed aufzutauchen.
Es entsteht also ein bekanntes Problem personalisierter Plattformen: Je besser ein System den bisherigen Geschmack versteht, desto größer ist die Gefahr, dass Überraschungen herausgefiltert werden. Gerade Spiele, die mehrere Genres verbinden oder bewusst ungewöhnlich sind, lassen sich nicht immer sauber einordnen.
Außerdem sollte man die Zahlen von Hooded Horse nicht mit Verkäufen verwechseln. Ein zusätzlicher Besuch auf einer Store-Seite ist noch kein Kauf. Trailer, Screenshots, Rezensionen, Preis und das Spiel selbst müssen weiterhin überzeugen. Valve kann einem unbekannten Titel mehr Aufmerksamkeit verschaffen, aber keinen Erfolg garantieren.
Steam öffnet kleinen Spielen zumindest eine Tür
Für Indie-Entwickler bleibt Steam ein schwieriger Markt. Tausende neue Veröffentlichungen verschwinden jedes Jahr nahezu ungesehen, und eine Änderung am Empfehlungssystem wird dieses Problem nicht vollständig lösen.
Der Unterschied liegt an einer anderen Stelle: Auch Spiele mit bislang kleiner Reichweite könnten im Rabattbereich häufiger auftauchen. Wenn Steam dort mehr personalisierte Empfehlungen ausspielt, statt nur eine kleine Zahl kuratierter Plätze zu vergeben, könnten vor allem Nischenprojekte bessere Chancen auf Sichtbarkeit bekommen.
Die ersten Daten zeigen zumindest, dass dieser Ansatz bislang wenig sichtbaren Spielen deutlich mehr Store-Aufrufe bringen kann. Für Spieler bedeutet die breitere Umstellung Anfang 2027 vor allem eines: Im Bereich „Rabatte & Events“ könnten häufiger reduzierte Spiele auftauchen, die zum eigenen Geschmack passen und bisher vielleicht völlig untergegangen wären.

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