Stundenlanges Swipen und belanglose Nachrichten schreiben. Am Ende kommt nicht einmal ein Treffen zustande. Manche Singles haben darauf offenbar keine Lust mehr.
Dating wird deshalb gerade ungewöhnlich analog: Statt sich selbst auf Tinder zu präsentieren, übernehmen Freunde die Partnersuche. Und zwar vor Publikum, auf einer Bühne und mit einer PowerPoint-Präsentation.
Was zunächst nach einem Internet-Gag klingt, ist inzwischen auch in Deutschland ein richtiges Veranstaltungsformat geworden.
Der beste Freund übernimmt das Dating-Profil
Das Prinzip ist einfach: Ein Single bringt einen Freund oder eine Freundin mit. Die Person steigt auf die Bühne und hat einige Minuten Zeit, den Single vor einem Publikum vorzustellen.
Auf den Folien landen Fotos, Hobbys, persönliche Eigenheiten, Stärken und gelegentlich auch die eine oder andere Geschichte, die man selbst vielleicht lieber verschwiegen hätte.
Ein Beispiel ist „Love at First Slide“. Dort stellen etwa sechs bis acht Personen ihre Single-Freunde jeweils sechs Minuten lang vor. Das Format gibt es inzwischen unter anderem in Berlin, Köln, München, Hamburg, Leipzig und Düsseldorf.
In Stuttgart läuft mit „Date My Mate“ ein ähnliches Konzept. Laut Veranstaltern fanden dort seit Sommer 2025 bereits neun Shows statt, bei denen mehr als 1.000 Singles dabei waren.
Warum ausgerechnet PowerPoint?
Eigentlich macht das Format etwas sehr Altes: Freunde verkuppeln ihre Freunde. Nur die Verpackung ist neu.
Auf einer Dating-App muss jeder selbst entscheiden, welche Bilder besonders attraktiv wirken und mit welchen wenigen Sätzen man interessant genug erscheint. Beim PowerPoint-Dating übernimmt diese Aufgabe jemand, der die Person tatsächlich kennt.
Das kann deutlich persönlicher werden. Ein guter Freund kann schließlich nicht nur erzählen, welchen Beruf jemand hat oder wohin er gerne reist. Er weiß auch, was für ein Mensch dahintersteckt, welche Macken dazugehören und warum die Person seiner Meinung nach ein gutes Date wäre.
Und nach der Präsentation steht der vorgestellte Single tatsächlich im selben Raum. Statt erst zu matchen, tagelang zu schreiben und irgendwann ein Treffen auszumachen, kann das erste Gespräch wenige Minuten später beginnen.
Viele würden ohnehin lieber offline jemanden kennenlernen
Dass solche Veranstaltungen gerade jetzt funktionieren, ist vermutlich kein Zufall.
Online-Dating ist in Deutschland zwar längst normal. Eine repräsentative Bitkom-Befragung zeigte 2025, dass 53 Prozent der deutschen Internetnutzer bereits Erfahrungen mit Online-Dating gemacht hatten. Gleichzeitig würden aber 78 Prozent lieber auf klassischem Weg jemanden im echten Leben kennenlernen.
Auch wissenschaftlich ist die Ermüdung durch Dating-Apps inzwischen ein Thema. Eine über zwölf Wochen durchgeführte Studie unter aktiven Dating-App-Nutzern stellte fest, dass emotionale Erschöpfung und das Gefühl, mit den Apps wenig zu erreichen, im Laufe der Zeit zunahmen.
Der Trend beschränkt sich längst nicht auf Deutschland. Auch in Wien gibt es mittlerweile „Date my Mate“-Abende. In der Schweiz finden unter dem Namen „Pitch Your Single Friend“ ähnliche Veranstaltungen statt.
Freunde haben ihre Single-Freunde schon immer verkuppelt. Neu sind eigentlich nur Bühne, Publikum und PowerPoint. Und vielleicht kennt der beste Freund einen am Ende tatsächlich besser als jeder Dating-Algorithmus.

Offene Diskussion
Diskussion starten
Teilen Sie Kontext, Korrekturen und durchdachte Perspektiven. Bleiben Sie hilfreich, konkret und respektvoll.