Bis zur Oscar-Verleihung sind es noch mehrere Monate, doch nach den großen Herbstfestivals zeichnet sich das Rennen bereits deutlich klarer ab. Manche Filme haben ihren Platz unter den Favoriten gefestigt, andere vermeintlich sichere Kandidaten sind zurückgefallen.
Zu den Kandidaten zählen viele große Namen, an der Spitze ihrer Kategorien stehen aber teilweise Schauspieler, mit denen vor wenigen Monaten noch kaum jemand gerechnet hat.
Die Odyssee könnte die Oscars dominieren – nur bei den Schauspielern ist es komplizierter
Christopher Nolans Die Odyssee ist der Film, an dem sich der Rest des Oscar-Rennens messen lassen muss. Für das Epos werden Nominierungen in nahezu allen wichtigen technischen Kategorien erwartet, dazu kommen Chancen auf Best Picture, Best Director und mehrere Schauspielpreise.
Matt Damon gehört als Hauptdarsteller zu den stärkeren Kandidaten für Best Actor, führt das Feld aber nicht an. Auch bei den Nebenrollen ist die Lage weniger eindeutig, als es die prominente Besetzung vermuten lässt.
Robert Pattinson, Anne Hathaway, Zendaya und Samantha Morton gehören zum Ensemble. Besonders viel Aufmerksamkeit bekommt bislang aber John Leguizamo, dessen Rolle als Eumaeus zu den auffälligsten Nebenleistungen des Films gezählt wird.
Das macht Die Odyssee zu einem ungewöhnlichen Fall: Der Film könnte die Nominierungen insgesamt dominieren, ohne bei den Schauspielpreisen ähnlich klar vorne zu liegen.
Bei Best Actor liegt John Malkovich vor Matt Damon
Im Rennen um Best Actor hatten viele zunächst mit Matt Damon, Ryan Gosling oder Tom Cruise gerechnet. Nach den Festivals steht aber ein anderer Name ganz oben: John Malkovich.
Für seine Rolle in Wild Horse Nine hat sich der 72-Jährige nach den Festivalvorführungen zum stärksten Kandidaten entwickelt. Sein Sieg als bester Schauspieler bei den Filmfestspielen von Venedig hat diesen Eindruck zusätzlich verstärkt. Malkovich wird inzwischen vielfach als Favorit gehandelt.
Dazu kommt, dass Malkovich trotz jahrzehntelanger Karriere noch nie einen Oscar gewonnen hat. Wild Horse Nine gibt ihm nun eine Rolle, die sowohl auffällig genug für die Schauspielkategorie als auch Teil eines ernsthaften Best-Picture-Kandidaten ist.
Matt Damon bleibt mit Die Odyssee ein aussichtsreicher Kandidat. Es sieht aber eher danach aus, dass er Malkovich einholen müsste als umgekehrt.
Julianne Moore hat bei Best Actress die besten Karten
Noch eindeutiger ist die Lage bei Best Actress. Julianne Moore hat sich mit Das Debüt – Ihr großer Auftritt innerhalb kurzer Zeit an die Spitze gesetzt.
Ihre Rolle in Jesse Eisenbergs Film gehört zu den Leistungen, die nach Festivalvorführungen besonders viel Resonanz gefunden haben. Bei öffentlichen Screenings soll eine ihrer zentralen Szenen sogar spontanen Applaus ausgelöst haben.
Moore gewann bereits 2015 für Still Alice – Mein Leben ohne Gestern. Eine zweite Auszeichnung wäre also keine klassische „endlich bekommt sie ihren Oscar“-Geschichte. Entscheidend ist vielmehr, dass Das Debüt selbst im Rennen um Best Picture mitmischt und ihre Performance als eine der auffälligsten des Films gilt.
Zu ihren stärkeren Konkurrentinnen zählen unter anderem Olivia Wilde in The Invite und Inde Navarrette in Obsession – Du sollst mich lieben, doch in mehreren Prognosen steht Moore auf Platz eins.
Andrew Garfield ist plötzlich einer der heißesten Namen des Rennens
Bei Best Supporting Actor sieht die Sache wesentlich offener aus. Lange galten vor allem Paul Giamatti für Das Debüt und Sam Rockwell für Wild Horse Nine als die naheliegenden Favoriten. Dann kam Artificial.
Andrew Garfield spielt darin Sam Altman und hat sich nach den ersten großen Vorführungen schnell nach vorne geschoben. Zu Jahresbeginn war er noch längst kein sicherer Kandidat. Nach den Reaktionen auf Artificial ist aus einem möglichen Außenseiter plötzlich ein ernsthafter Anwärter auf den Sieg geworden.
Ganz entschieden ist dieses Rennen trotzdem nicht. Giamatti hat mit Das Debüt einen starken Film im Rücken, Rockwell hat den Oscar bereits einmal gewonnen, und auch John Leguizamo könnte vom Erfolg von Die Odyssee profitieren.
Robert Pattinson hat gleich mehrere Chancen
Robert Pattinson spielt in Die Odyssee, gehört zum Cast von Dune: Part Three und wurde für Primetime zeitweise sogar als möglicher Best-Actor-Kandidat gehandelt. Theoretisch gibt es für ihn also mehrere Wege zu seiner ersten Oscar-Nominierung.
In keiner Kategorie gehört er bisher zur klaren Spitze. Bei Best Actor haben sich Malkovich und Damon stärker positioniert, bei den Nebenrollen von Die Odyssee steht Leguizamo im Vordergrund, und Dune: Part Three ist im Schauspielbereich schwer einzuschätzen.
Große Namen allein reichen nicht
Das gilt auch für andere Stars. Ryan Gosling bleibt mit Der Astronaut – Project Hail Mary im Rennen, ist aber keineswegs gesetzt. Tom Cruise galt mit Digger zeitweise als möglicher Favorit, verlor nach den ersten Reaktionen jedoch an Schwung. Brad Pitt und Timothée Chalamet werden ebenfalls gehandelt, ihre Filme müssen sich im Oscar-Rennen aber erst noch vollständig beweisen.
Große Namen allein garantieren auch in diesem Jahr keine Nominierung. Einige der größten Hollywood-Stars müssen derzeit Schauspielern hinterherlaufen, deren Chancen nach den Herbstfestivals deutlich gestiegen sind. Mitte Oktober führen deshalb nicht zwangsläufig die bekanntesten Gesichter das Rennen an.

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