PHYSINT sollte Hideo Kojimas große Rückkehr zum Action-Spionage-Genre werden. Und das gemeinsam mit PlayStation. Im Juni wollte Sony das Projekt jedoch beenden. Drei Monate später steht ein neuer Publisher fest: Xbox.
Damit wird die Geschichte hinter PHYSINT fast spannender als das wenige, was wir bisher vom Spiel gesehen haben. Denn für Kojima ist das Projekt persönlich besonders wichtig. Aufgeben wollte er es offenbar trotzdem nicht.
Sony wollte PHYSINT schon im Juni stoppen
Offiziell klingt die Trennung bei Sony ziemlich nüchtern. Nach „sorgfältiger Überlegung“ habe man die schwierige Entscheidung getroffen, die Zusammenarbeit mit Kojima Productions bei PHYSINT zu beenden. Gleichzeitig betont PlayStation, dass die Beziehung zu Hideo Kojima nach rund drei Jahrzehnten weiterhin eng bleiben soll. Warum Sony aussteigt, verrät das Unternehmen nicht.
Für Kojima ist die Sache deutlich dramatischer. Sein Studio habe Mitte Juni 2026 unerwartet die Nachricht erhalten, dass PlayStation Studios PHYSINT canceln wolle. Ein endgültiges Aus kam für ihn offenbar nicht infrage. Kojima Productions suchte daraufhin drei Monate lang nach einem neuen Partner, mit dem PHYSINT weitergeführt werden konnte.
Fündig wurde Kojima schließlich bei Microsoft. Am 9. September bestätigte Xbox, PHYSINT künftig zu veröffentlichen. Die öffentliche Übergabe wirkte dabei fast choreografiert: Auf Sonys Rückzug folgte praktisch direkt die Xbox-Ankündigung. Hinter den Kulissen war der Deal zu diesem Zeitpunkt natürlich längst ausgehandelt.
Spannend bleibt vor allem der Unterschied zwischen beiden Versionen. Sony beschreibt einen Rückzug aus der Zusammenarbeit. Kojima erzählt von einer überraschenden Absage, nach der sein Team PHYSINT aktiv retten musste.
PHYSINT ist für Kojima ziemlich persönlich
Warum Kojima drei Monate lang um das Projekt kämpfte, hat auch mit seiner eigenen Geschichte zu tun. Seit seinem Abschied von Konami im Jahr 2015 hat der Metal-Gear-Schöpfer kein eigenes Action-Spionage-Spiel mehr entwickelt. Auch Fans wünschten sich seine Rückkehr in dieses Genre.
Während der Pandemie änderte sich seine Haltung dazu. Kojima erzählte später, dass er 2020 schwer erkrankte, operiert werden musste und sich in dieser Zeit intensiv mit seiner eigenen Zukunft beschäftigte. Zusammen mit den jahrelangen Fanwünschen entstand schließlich die Idee hinter PHYSINT.
PHYSINT soll eine komplett neue IP werden und das Action-Spionage-Genre mit modernen Ideen neu interpretieren. Schon bei der ersten Ankündigung machte Kojima deutlich, wie groß der Anspruch ist: PHYSINT solle die Krönung seiner bisherigen Arbeit werden.
Dazu gehört vor allem seine bekannte Liebe zum Kino. PHYSINT soll Schauspiel, Inszenierung, Sound und Technik so eng miteinander verbinden, dass die Grenze zwischen Film und Videospiel zunehmend verschwimmt. Bei der Ankündigung 2024 sprach Kojima sogar von einem Projekt, das „gleichzeitig Spiel und Film“ sein soll. Mit Charlee Fraser, Ma Dong-seok (Don Lee) und Minami Hamabe stehen inzwischen auch erste Darsteller fest.
Xbox war für Kojima längst kein Fremder mehr
Der Wechsel zu Xbox klingt zunächst wie ein spektakulärer Seitenwechsel. Ganz fremd sind sich Microsoft und Kojima Productions aber längst nicht mehr.
Mit dem Horrorprojekt OD arbeiten beide bereits an einem weiteren Spiel zusammen. Als Kojima nach einem neuen Zuhause für PHYSINT suchte, musste er also nicht bei null anfangen. Laut Kojima fand er bei Xbox einen Partner, mit dem sein Studio eine „gemeinsame Vision für die Zukunft“ teile.
Microsoft holt sich damit mehr als nur ein weiteres Kojima-Spiel ins Portfolio. Die neue Partnerschaft soll ausdrücklich über Games hinausgehen. Xbox und Kojima Productions wollen auch bei Film- und Fernsehprojekten zusammenarbeiten. Wie diese aussehen werden, ist noch offen.
Für Sony ist gerade dieses Projekt ein ungewöhnlicher Verlust
Kojima und PlayStation verbindet eine Geschichte, die weit über Death Stranding hinausgeht. Die Metal-Gear-Reihe gehörte zwar immer Konami, trotzdem wurden einige ihrer wichtigsten Teile eng mit PlayStation verbunden. Nach Kojimas Weggang bei Konami wurde aus dieser historischen Nähe schließlich eine direkte Partnerschaft: Sony unterstützte sein unabhängiges Studio und veröffentlichte Death Stranding sowie Death Stranding 2.
Entsprechend groß wurde PHYSINT bei seiner Ankündigung inszeniert. Anfang 2024 präsentierte Kojima das Spiel bei einer State of Play gemeinsam mit dem damaligen PlayStation-Studio-Chef Hermen Hulst. Hulst erklärte damals sogar, er habe Kojima schon seit Jahren zu einer Neuerfindung des Genres ermutigt und Sony werde das Projekt umfassend unterstützen.
Gut zweieinhalb Jahre später landet Kojimas Rückkehr zum Spionage-Genre bei der Konkurrenz. Gerade deshalb bleibt eine Frage besonders interessant: Warum war Sony bereit, ausgerechnet PHYSINT aufzugeben? Kosten, Entwicklungsprobleme oder strategische Gründe wurden bislang von keiner Seite bestätigt.
Was der Wechsel für PHYSINT jetzt bedeutet
Die gute Nachricht für alle, die seit der Ankündigung auf Kojimas neues Spionage-Spiel warten: PHYSINT wird weiterentwickelt. Xbox Game Studios übernimmt das Publishing, Kojima Productions bleibt für die Entwicklung verantwortlich.
Offen ist dagegen weiterhin, wo PHYSINT am Ende überhaupt erscheint. Xbox hat bisher weder eine Exklusivität noch konkrete Versionen angekündigt. Eine PC-Version ist genauso wenig offiziell bestätigt wie ein Release für Xbox-Konsolen oder PlayStation. Auch zu einer Veröffentlichung im Game Pass gibt es bislang keine Ankündigung. Unter Sony wurden übrigens ebenfalls nie konkrete PlayStation-Konsolen genannt, obwohl PHYSINT auf einer PlayStation-Show angekündigt wurde. Wer das Spiel am Ende tatsächlich spielen kann, bleibt damit überraschend offen.
Eilig sollte man es ohnehin nicht haben. Kojima erklärte 2025, dass die Entwicklung noch ungefähr fünf bis sechs Jahre dauern könnte. Selbst damals deutete vieles auf 2030 oder später hin. Ob der Publisherwechsel diesen Zeitplan beeinflusst, weiß derzeit niemand. PHYSINT hat damit schon Jahre vor seinem Release eine ziemlich wilde Wendung hinter sich.

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