Mit Badehose mitten in die Innenstadt, ins Wasser steigen und sich vom Fluss durch die Stadt treiben lassen. Was in vielen europäischen Großstädten jahrzehntelang undenkbar war, wird langsam wieder Realität.
In Basel gehört das Schwimmen im Rhein längst zum Sommer. Paris hat die Seine nach mehr als 100 Jahren wieder für Badegäste geöffnet. Und selbst in Berlin wird darüber gestritten, ob Menschen künftig wieder mitten im Zentrum in der Spree schwimmen dürfen.
Dass daraus inzwischen eine richtige Bewegung geworden ist, zeigte sich erst im August 2026.
Basel zeigt, wie ein Fluss zum Freibad werden kann
Am 11. und 12. August trafen sich in Basel beim ersten europäischen Swimmable Cities Forum Experten und Vertreter verschiedener Städte. Thema war eine ungewöhnlich einfache Frage: Wie können Flüsse und andere Stadtgewässer wieder so sauber und sicher werden, dass Menschen darin schwimmen können?
Basel selbst liefert dafür bereits ein ziemlich eindrucksvolles Beispiel. Schwimmen im Rhein ist dort außerhalb der Schifffahrtsrinne erlaubt und im Sommer völlig normal. Beim offiziellen Basler Rheinschwimmen lassen sich jedes Jahr bis zu 5.000 Menschen durch die Stadt treiben.
Was in Basel selbstverständlich wirkt, wäre in vielen anderen europäischen Städten vor wenigen Jahrzehnten kaum vorstellbar gewesen.
Paris schwimmt wieder in der Seine
Das prominenteste Beispiel ist Paris. Seit 1923 war öffentliches Baden in der Seine verboten. Verschmutzung und Abwasser hatten den Fluss über Jahrzehnte zu einem Ort gemacht, den man lieber vom Ufer aus betrachtete.
Für die Olympischen Spiele 2024 investierten Stadt und Staat massiv in Kanalisation, Kläranlagen und Rückhaltebecken für Regenwasser. Im Sommer 2025 durften schließlich auch normale Badegäste wieder hinein.
2026 geht das Projekt weiter. Zwischen Anfang Juli und Ende August stehen drei kostenlose Badestellen direkt in der Seine zur Verfügung. Hinzu kommen weitere Badeangebote in Pariser Kanälen und Becken. Ob die Bereiche geöffnet bleiben, hängt unter anderem von Strömung, Wetter und der täglich kontrollierten Wasserqualität ab.
Damit wird aus einem Fluss, der jahrzehntelang vor allem Verkehrsweg und Kulisse war, plötzlich öffentlicher Freizeitraum.
Warum Städte ihre Flüsse wiederhaben wollen
Hinter dem Trend steckt mehr als die Lust auf ein ungewöhnliches Freibad.
Die Wasserqualität europäischer Gewässer hat sich über Jahrzehnte deutlich verbessert. Von den 2025 untersuchten EU-Badestellen erfüllten 96 Prozent mindestens die vorgeschriebenen Qualitätsstandards, 85 Prozent wurden sogar als ausgezeichnet bewertet.
Gleichzeitig werden heiße Sommertage in Städten zum immer größeren Problem. Ein zugänglicher Fluss schafft Abkühlung, ohne dass dafür mitten in dicht bebauten Vierteln ein neues Schwimmbad entstehen muss. Genau deshalb wird das Thema zunehmend auch als Teil der Stadtplanung und Klimaanpassung diskutiert.
Ganz einfach ist die Sache trotzdem nicht. Nach starkem Regen können Abwässer die Wasserqualität kurzfristig verschlechtern. Dazu kommen Strömungen, Schiffsverkehr und die Frage, an welchen Stellen Menschen überhaupt sicher ins Wasser gelangen und wieder herauskommen.
Berlin darf noch nicht
Wie schwierig der Weg sein kann, zeigt Berlin. In der innerstädtischen Spree gilt das Badeverbot weiterhin. Der Verein Flussbad Berlin kämpft jedoch seit Jahren dafür, Teile des Spreekanals wieder für Schwimmer zu öffnen. 2026 finden sogar monatliche Schwimm-Demonstrationen gegen das inzwischen mehr als 100 Jahre alte Verbot statt. Die Berliner Behörden verweisen weiterhin auf rechtliche, hygienische und sicherheitsbezogene Probleme.
Immer mehr Städte beginnen deshalb, ihre Flüsse wieder als öffentliche Freizeit- und Erholungsräume zu betrachten. Vielleicht wird es in Zukunft ganz normal sein, nach der Arbeit nicht ins Freibad zu fahren, sondern einfach zum nächsten Fluss zu laufen.

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