An der Donau tauchen in diesem Sommer Dinge auf, die normalerweise unter Wasser verborgen bleiben: deutsche Kriegsschiffe aus dem Zweiten Weltkrieg, alte Munition, Mammutknochen und sogar die Fundamente einer römischen Brücke.
Möglich macht das der außergewöhnlich niedrige Wasserstand. Hitze und anhaltende Trockenheit haben die Donau 2026 vielerorts stark zurückgehen lassen. Was für Schifffahrt und Natur zum Problem wird, legt gleichzeitig Spuren frei, die teilweise seit Jahrtausenden im Fluss verborgen liegen. Die Donau wird damit gerade zu einer Art Geschichtsbuch.
Deutsche Kriegsschiffe liegen noch immer in der Donau
Besonders deutlich wird das nahe der serbischen Stadt Prahovo. Dort ragen wieder zahlreiche Wracks deutscher Kriegsschiffe aus dem Wasser. Mindestens 20 von ihnen waren Anfang August bereits vom Ufer aus zu erkennen.
Die Schiffe gehören zu einer Flotte, die sich 1944 vor der vorrückenden sowjetischen Armee zurückzog. Deutsche Truppen versenkten damals zahlreiche eigene Schiffe in der Donau, um den Vormarsch zu erschweren. Schätzungen zufolge könnten rund 200 Wracks in diesem Abschnitt des Flusses liegen.
Einige sind bis heute gefährlich. In den Wracks können sich noch Sprengstoffe und Munition befinden. Gleichzeitig behindern sie bei Niedrigwasser die Schifffahrt. Bereits seit 2024 läuft deshalb ein von der EU unterstütztes Projekt, bei dem besonders gefährliche Wracks geborgen werden.
Auch in Budapest kommt der Zweite Weltkrieg wieder zum Vorschein. Dort wurden durch das Niedrigwasser unter anderem ein ungewöhnlich gut erhaltenes deutsches Militärmotorrad und die Überreste zweier deutscher Soldaten gefunden. Bei der Bergung entdeckten Experten außerdem deutsche Panzerminen. Nahe der Margaretenbrücke tauchte zudem alte Kriegsmunition auf, weshalb die Brücke kurzzeitig gesperrt werden musste.
Mammutknochen führen noch viel weiter zurück
Einige Hundert Kilometer weiter flussabwärts führt die Donau noch viel weiter in die Vergangenheit.
Nahe dem bulgarischen Dorf Rjachowo entdeckte ein Anwohner Knochen auf dem freigelegten Flussboden. Experten des Regionalen Geschichtsmuseums in Russe identifizierten unter anderem einen Unterkiefer, zwei Stoßzähne und vermutlich eine Rippe eines Mammuts.
Wie alt die Überreste genau sind, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Vermutet wird, dass sich an dieser Stelle früher ein sumpfiges Gebiet befand, in dem das Tier starb und schließlich von Sedimenten bedeckt wurde. Erst der außergewöhnlich niedrige Wasserstand brachte die Knochen wieder an die Oberfläche.
Und selbst damit ist die Zeitreise nicht beendet. In Bulgarien wurden durch das Niedrigwasser außerdem Teile der Fundamente der Konstantinbrücke sichtbar. Die mehr als zwei Kilometer lange römische Brücke wurde unter Kaiser Konstantin I. errichtet und im Jahr 328 eröffnet. Archäologen konnten die seltene Gelegenheit nutzen, die freigelegten Überreste mit Drohnen genauer zu dokumentieren.
Das Geschichtsbuch öffnet sich aus einem problematischen Grund
So spektakulär die Funde sind, das Niedrigwasser selbst ist keine gute Nachricht.
Die geringe Wassermenge trifft Schifffahrt und Energieversorgung und belastet auch die Ökosysteme der Donau.
Genau darin liegt die ungewöhnliche Seite dieses Sommers: Je weiter sich die Donau zurückzieht, desto mehr Vergangenheit kommt zum Vorschein. Kriegsschiffe, alte Munition, römische Fundamente und Mammutknochen liegen plötzlich nicht mehr unter Wasser.
Der Fluss legt damit Geschichte frei, die sonst unter seiner Oberfläche verborgen bleibt.

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