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Gothic Getaways: Warum düstere Schlösser und Hotels im Trend sind

Geschrieben von Alba Aliti

Zuletzt aktualisiert am

Mittelalterliche Burg mit beleuchteten Fenstern bei Sonnenuntergang, umgeben von herbstlichen Wäldern und Nebel.

Steinerne Gänge, schwere Vorhänge und ein Treppenhaus, das auch in einem Horrorfilm vorkommen könnte. Was für manche wenig einladend klingt, macht für andere den Reiz einer Übernachtung aus. Unter dem Namen „Gothic Getaways“ entwickelt sich daraus ein Reisetrend für 2027.

Im Mittelpunkt stehen Schlösser, alte Herrenhäuser und Hotels mit geheimnisvoller Atmosphäre. Doch was macht ausgerechnet düstere Gebäude als Urlaubsunterkunft so interessant?

Was sind Gothic Getaways?

Bei Gothic Getaways spielt die Unterkunft selbst die Hauptrolle. Statt eines gewöhnlichen Hotelzimmers suchen Reisende nach Orten mit besonderer Ausstrahlung. Hohe Spitzbögen, kunstvolle Treppenhäuser oder dunkel gestaltete Räume können Teil dieses Erlebnisses sein.

Der Begriff „Gothic“ meint nicht nur die mittelalterliche Gotik mit ihren hohen Gewölben, Spitzbögen und großen Fenstern. Im 18. und 19. Jahrhundert griff die Neugotik viele dieser Merkmale wieder auf. Der heutige Reisetrend verbindet historische Architektur mit der Ästhetik aus Schauerromanen, düsteren Filmen und alten Legenden.

Eine Geistergeschichte oder Horrorattraktion gehört nicht zwingend dazu. Auch ein historisches Gebäude mit ungewöhnlicher Einrichtung kann diese Atmosphäre vermitteln.

Wie beliebt sind Gothic Getaways wirklich?

Ein im Oktober 2026 veröffentlichter Reisetrendreport liefert Daten zu diesem Trend. Grundlage ist unter anderem eine Befragung von 26.000 Erwachsenen aus 16 Ländern, die innerhalb der nächsten drei Jahre eine Reise planen.

65 Prozent der Befragten interessieren sich für eine Übernachtung in einem Hotel mit Gothic-Atmosphäre. Bei der Generation Z und den Millennials liegt dieser Anteil sogar bei 71 Prozent. Unabhängig davon gaben 56 Prozent an, bereits einmal ein Hotel gezielt wegen seiner Atmosphäre oder Gestaltung gebucht zu haben.

Die Suchanfragen nach Schlossunterkünften lagen laut dem Report weltweit 20 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Online-Erwähnungen zu Gothic-Ästhetik, Burgen und verwandten Reisethemen nahmen um 38 Prozent zu.

Warum düstere Orte ihren eigenen Reiz haben

Ein altes Schloss bietet etwas, das sich in einem modernen Hotel nur schwer nachbilden lässt. Abgenutzte Steinstufen, jahrhundertealte Mauern und verwinkelte Räume lassen die Vergangenheit eines Gebäudes unmittelbar erlebbar werden. Gleichzeitig bleibt oft Raum für Geschichten und Vorstellungen darüber, was sich dort früher abgespielt haben könnte.

Hinzu kommt die Verbindung zur Literatur und Popkultur. Wer an Dracula, verlassene Anwesen oder geheimnisvolle Familiengeschichten denkt, hat meist bestimmte Bilder im Kopf. Gothic Getaways greifen diese Vorstellungen auf und übertragen sie in ein reales Reiseerlebnis. Die Atmosphäre, die man sonst aus Büchern oder Filmen kennt, wird für eine Nacht zur eigenen Umgebung.

Dass diese Verbindung schon länger existiert, zeigt auch die Tourismusforschung. Eine wissenschaftliche Untersuchung von 2021 ordnet Gothic-Tourismus zwischen Literaturreisen und einer leichteren Form des sogenannten Dark Tourism. Letzterer meint Reisen zu Orten, die mit Tod, Leid oder tragischen Ereignissen verbunden sind. Beim Gothic-Tourismus können dagegen auch fiktive Geschichten, Architektur und die Inszenierung des Unheimlichen im Vordergrund stehen.

Warum der Trend nicht auf Halloween beschränkt ist

Im Oktober passen düstere Schlösser und geheimnisvolle Hotels besonders gut zur Halloween-Stimmung. Viele historische Gebäude bieten mit ihren alten Gewölben und verwinkelten Räumen bereits eine passende Kulisse. Anders als bei eigens organisierten Gruselveranstaltungen steht bei Gothic Getaways jedoch nicht unbedingt der Schrecken im Mittelpunkt. Die Atmosphäre eines Ortes kann auch ohne künstliche Inszenierung reizvoll sein.

Das Interesse beschränkt sich aber nicht auf den Herbst: Die untersuchten Online-Erwähnungen erreichten ihre Höhepunkte sogar im Frühling und Sommer. Eine Burg im Sommer kann also ebenso zum Reiseziel werden wie ein abgelegenes Herrenhaus im Oktober.

Für Reisende macht die Jahreszeit dennoch einen Unterschied. Während viele Hotels ganzjährig geöffnet haben, sind manche historischen Burgen und Schlösser nur saisonal zugänglich. Wer vor allem die alten Gebäude besichtigen möchte, sollte sich deshalb vorab über Öffnungszeiten und mögliche Führungen informieren.

Muss man dafür in einem Schloss übernachten?

Ein Gothic Getaway muss nicht zwangsläufig eine teure Übernachtung hinter Burgmauern sein. Wer sich vor allem für die Atmosphäre interessiert, kann ähnliche Eindrücke auch bei einem Tagesausflug gewinnen.

In Deutschland finden sich dafür Beispiele aus unterschiedlichen Epochen. Die Burg Eltz in Rheinland-Pfalz besitzt mittelalterliche Bauteile aus mehreren Jahrhunderten. Die Burg Hohenzollern in Baden-Württemberg wurde hingegen zwischen 1850 und 1867 im neugotischen Stil wiedererrichtet. Sie zeigt, wie die Architektur des Mittelalters im 19. Jahrhundert neu interpretiert wurde.

Wer dennoch eine Übernachtung plant, sollte zwischen historischer Bausubstanz und moderner Inszenierung unterscheiden. Nicht jedes Hotel mit dunklen Wänden und antiken Möbeln befindet sich tatsächlich in einem alten Gebäude. Umgekehrt sind manche Schlossunterkünfte modern ausgestattet und haben mit einer düsteren Atmosphäre wenig gemeinsam.

Gothic Getaways sind keine festgelegte Art zu reisen. Hinter dem Begriff stehen unterschiedliche Vorstellungen von einem außergewöhnlichen Aufenthalt. Die Faszination für alte Schlösser und geheimnisvolle Geschichten ist jedenfalls deutlich älter als der neue Name des Reisetrends.

Über den Autor

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Alba Aliti

Ich schreibe für Themenblick Artikel über Gaming, Wissen, Freizeit, Filme & Serien und Sport. Ich lese gerne, beschäftige mich mit unterschiedlichen Themen und mag es, Dinge so zu erklären, dass sie schnell verständlich werden. Gute Artikel sollten nämlich nicht nur informieren, sondern auch angenehm zu lesen sein.

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