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GTA 6 war zeitweise ganz anders geplant: Diese Ideen hat Rockstar verworfen

Geschrieben von Nils Brandt

Zuletzt aktualisiert am

Karten, Entwürfe und Stadtaufnahmen einer tropischen Metropole zeigen die Planungsphase einer offenen Spielwelt im Stil von GTA 6.

GTA 6 wirkt schon jetzt riesig. Vice City, die umliegenden Regionen von Leonida, zwei spielbare Hauptfiguren und eine Spielwelt, die Rockstar als die bislang immersivste Weiterentwicklung der Reihe bezeichnet. Wie viele Ideen während der Entwicklung entstanden und wieder verschwanden, dürfte bis zur Veröffentlichung am 19. November 2026 trotzdem nur teilweise sichtbar werden.

Denn das GTA 6, das am Ende erscheint, ist nicht einfach elf Jahre lang immer größer geworden. Rockstar hat über Jahre Ideen ausprobiert, verworfen und vereinfacht. Einige frühe Pläne waren sogar deutlich umfangreicher als das Spiel, das wir heute kennen.

Gerade diese gestrichenen Ideen zeigen, wie Rockstar GTA 6 entwickelt: Nicht alles, was technisch möglich ist, macht das Spiel automatisch besser.

Die ersten Arbeiten an GTA 6 begannen schon 2015

Rob Nelson, Co-Studio-Chef von Rockstar North, bestätigte 2026, dass GTA 6 bereits seit 2015 entwickelt wird. Damals arbeitete der Großteil des Studios noch an Red Dead Redemption 2. Erst nach dessen Veröffentlichung 2018 wechselte ein großer Teil des Teams zum nächsten GTA.

In den frühen Jahren entstanden noch keine fertigen Missionen oder komplett ausgearbeiteten Straßen von Vice City. Kleine Teams reisten zunächst nach Florida, fuhren durch die Region, machten Fotos und sammelten Eindrücke. Aus diesem Material entwickelte sich nach und nach die Grundlage für Leonida.

Nelson beschreibt diesen Prozess als Ausgangspunkt für Rockstars Welten: Erst wird ein Ort erkundet, dann entstehen daraus Ideen für Figuren, Missionen und Regionen. Bei einem Projekt, das sich über mehr als ein Jahrzehnt zieht, bedeutet das zwangsläufig auch, ältere Konzepte immer wieder neu zu bewerten.

Vier Hauptfiguren waren tatsächlich eine Option

GTA V hatte mit Michael, Franklin und Trevor erstmals drei spielbare Protagonisten. Für GTA 6 spielte Rockstar zeitweise mit der Idee, noch eine Figur dazuzunehmen.

Nelson bestätigte, dass das Team nach GTA V über vier Hauptfiguren diskutierte. Im Mittelpunkt stand dabei die Bindung zu den Charakteren. Je mehr Figuren sich die Spielzeit teilen, desto weniger Zeit verbringt man mit jeder einzelnen.

Die Erfahrungen mit Red Dead Redemption 2 beeinflussten diese Entscheidung. Nelson verweist selbst auf Arthur Morgan: Rockstar hatte zunächst Bedenken, ob die Rückkehr zu einer einzigen Hauptfigur nach GTA V funktionieren würde. Am Ende entwickelte sich Arthur für viele Spieler zu einer der Figuren, zu denen sie die stärkste Bindung aufbauten.

Für GTA 6 entstand daraus ein anderer Ansatz. Statt drei oder vier weitgehend getrennte Lebensgeschichten zu erzählen, konzentriert sich das Spiel auf Jason Duval und Lucia Caminos. Mit zwei Hauptfiguren bleibt mehr Raum für ihre gemeinsame Geschichte.

Die Spielwelt sollte noch größer werden

Auch bei der Karte waren die frühen Vorstellungen offenbar umfangreicher.

Bloomberg berichtete bereits 2022 unter Berufung auf Personen, die mit der Entwicklung vertraut waren, dass frühe Entwürfe unter dem Codenamen „Project Americas“ Gebiete vorsahen, die sich an großen Teilen Nord- und Südamerikas orientierten. Im Verlauf der Entwicklung wurde der geografische Umfang reduziert und stärker auf Vice City und die umliegende Region ausgerichtet.

Klein ist das heutige Leonida trotzdem nicht. Rockstar zeigt inzwischen neben Vice City unter anderem die Leonida Keys, Grassrivers und Mount Kalaga. Das offizielle Material macht deutlich, dass GTA 6 weit über das Stadtgebiet hinausgeht.

Nelson ging bei einer Präsentation noch weiter und beschrieb Vice City allein als ungefähr doppelt so groß wie Los Santos. Auch außerhalb der Stadt soll es deutlich mehr bebaute Gebiete geben als noch in GTA V.

Entscheidend dürfte ohnehin sein, wie viel in dieser Welt passiert, nicht wie viele Kilometer die Karte misst.

Selbst der Kühlschrank war einmal Teil des Gameplays

Ein gestrichenes Feature zeigt besonders gut, wo für Rockstar die Grenze liegt.

Während der Entwicklung experimentierte das Team mit einem System, bei dem Jason und Lucia Lebensmittel kaufen und damit ihren Kühlschrank zu Hause auffüllen konnten. Der Inhalt sollte sich verändern, je nachdem, was der Spieler mitbrachte. Rockstar hatte entsprechende Geschäfte und Abläufe bereits vorgesehen.

Laut Nelson flog die Idee wieder raus, weil sie das Spiel unnötig kompliziert machte.

An anderer Stelle scheut Rockstar solche Details allerdings nicht. Essen, Fitness und körperliche Veränderungen spielen weiterhin eine Rolle. Nur die Pflicht, auf dem Heimweg noch Milch und Snacks für den virtuellen Kühlschrank zu kaufen, war offenbar eine Ebene zu viel.

GTA 6 soll glaubwürdig wirken, nicht zum Alltagssimulator werden

Für Rockstar zählt am Ende, ob ein realistisches Detail auch spielerisch funktioniert. Nelson bringt den Ansatz ziemlich klar auf den Punkt: GTA 6 soll sich realistisch anfühlen, ohne jedes Detail des echten Lebens nachbauen zu müssen.

Bei einem Spiel mit so vielen Details ist diese Balance entscheidend. Eine Mechanik kann die Welt zunächst glaubwürdiger machen und trotzdem irgendwann mehr Arbeit als Spaß bedeuten.

Auch visuell verfolgt Rockstar laut Nelson keinen vollständigen Fotorealismus. Technik soll die Glaubwürdigkeit der Welt erhöhen, ohne Rockstars eigene Bildsprache zu verlieren. Beim Gameplay gilt ein ähnliches Prinzip: Realistische Abläufe dürfen das Spiel nicht unnötig verlangsamen.

Die gestrichenen Ideen zeigen, worauf Rockstar wirklich Wert legt

Vier Protagonisten, eine noch größere Welt und ein Alltag, bei dem selbst der Kühlschrank gepflegt werden musste. Aus einzelnen frühen Ideen hätte eine ganz andere Version von GTA 6 entstehen können.

Dass Rockstar vieles davon wieder entfernt hat, macht das fertige Spiel nicht zwingend kleiner. Im Gegenteil: Die bisher bekannten Entscheidungen wirken eher so, als hätte das Studio versucht, aus einem riesigen Projekt ein fokussierteres zu machen.

Nach mehr als einem Jahrzehnt Entwicklung dürfte es noch zahlreiche Konzepte geben, von denen Spieler nie erfahren werden. Die bekannten Beispiele zeigen trotzdem schon ziemlich deutlich, wie ein Projekt dieser Größe entsteht: Rockstar hat GTA 6 über Jahre nicht einfach mit immer neuen Features gefüllt.

Ein großer Teil der Entwicklung besteht auch darin zu erkennen, was am Ende besser draußen bleibt.

Über den Autor

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Nils Brandt

Ich bin Nils und schreibe bei Themenblick vor allem über Gaming, Sport, Technik, Filme und digitale Trends. Mich interessieren Themen, bei denen es nicht nur um die schnelle Schlagzeile geht, sondern auch um die Geschichte dahinter. In meiner Freizeit lese ich mich gerne in neue Themen ein, fahre Ski und mache ab und zu Roadtrips.

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