Eigentlich müsste bei PlayStation gerade beste Stimmung herrschen. Die Gaming-Sparte verdient so viel wie nie zuvor, Millionen Menschen nutzen PlayStation jeden Monat und die PS5 verkauft sich weiterhin stark.
Trotzdem wirkt 2026 für Sony erstaunlich unruhig. Studios verschwinden, von der großen Live-Service-Offensive ist nicht mehr viel übrig, ab 2028 endet die Disc-Produktion für neue Spiele und Hideo Kojimas PHYSINT landet nach Sonys Ausstieg bei Xbox.
Das Merkwürdige daran: Finanziell geht Sonys Rechnung bislang voll auf.
PlayStation hat kein Geldproblem
Sonys Gaming-Sparte setzte im vergangenen Geschäftsjahr umgerechnet rund 26,8 Milliarden Euro um und machte etwa 2,6 Milliarden Euro operativen Gewinn – so viel wie nie zuvor. Dazu kommen rund 125 Millionen monatlich aktive PlayStation-Nutzer.
Auch PS Plus läuft besser denn je. Rund 40 Prozent der Abonnenten nutzen mittlerweile die teureren Extra- oder Premium-Tarife, die Profitabilität des Dienstes erreichte zuletzt einen Rekordwert. Gleichzeitig hat Sony seine Gewinnprognose für die Gaming-Sparte bereits angehoben.
Die Einschnitte der vergangenen Monate sind also keine verzweifelten Sparmaßnahmen. Sony versucht vielmehr, ein bereits extrem erfolgreiches Geschäft noch profitabler zu machen.
Und der Konzern sagt ziemlich offen, wie das gelingen soll: mehr Umsatz mit PS Plus, höhere Umsätze pro Nutzer im PlayStation Store und strengere Kontrolle über die Kosten. Mit diesem Gedanken im Hinterkopf wirken viele Entscheidungen von 2026 deutlich weniger zufällig.
Sonys Live-Service-Wette wurde teuer
Vor einigen Jahren wollte PlayStation unbedingt ein Stück vom Fortnite-Kuchen. Zeitweise waren rund zwölf Live-Service-Projekte geplant. Heute ist von dieser Offensive deutlich weniger übrig.
The Last of Us Online wurde eingestellt, die Projekte von Bend und Bluepoint ebenfalls. Concord schaffte es zwar auf den Markt, verschwand aber nach nur zwei Wochen wieder. Entwickler Firewalk wurde kurz darauf geschlossen.
Besonders bitter ist Bluepoint. Das Studio hinter Demon’s Souls und Shadow of the Colossus arbeitete zuletzt an einem Live-Service-Spiel im God of War-Universum. Das Projekt wurde gestrichen, 2026 folgte schließlich auch das Ende des Studios.
Ganz gescheitert ist Sonys Idee trotzdem nicht: Helldivers 2 wurde ein riesiger Erfolg und zeigt, warum PlayStation den Live-Service-Bereich nicht komplett aufgibt. Teuer war der Umweg trotzdem. Während klassische Singleplayer-Spiele weiterhin zu den stärksten Argumenten für PlayStation gehören, flossen Jahre und Entwicklungskosten in Projekte, von denen viele nie erschienen sind.
Digital ist für Sony die bequemere Zukunft
Noch deutlicher wird Sonys neuer Kurs beim Thema Discs. Ab Januar 2028 werden für neu erscheinende PlayStation-Spiele keine physischen Discs mehr produziert.
Für Sony ist der Schritt trotzdem attraktiv. Der Großteil der Spiele wird ohnehin digital gekauft, während Produktion und Logistik physischer Discs wegfallen. Gleichzeitig verlagert sich das Geschäft noch stärker in Sonys digitales PlayStation-Ökosystem.
Für Spieler verschwindet damit vor allem eine Alternative. Eine Disc kann gebraucht gekauft, verkauft, verliehen oder Jahre später günstig gefunden werden. Bei rein digitalen Spielen fallen Gebrauchtmarkt und Weiterverkauf dagegen komplett weg.
Bei PlayStation hat das einen gewissen Beigeschmack. 2013 punktete Sony gegenüber der Xbox One noch mit einem simplen Video darüber, wie unkompliziert sich PS4-Spiele auf Disc weitergeben lassen: Man reicht die Verpackung einfach seinem Freund. 13 Jahre später bewegt sich PlayStation selbst in eine Zukunft, in der genau diese Möglichkeit bei neuen Spielen verschwinden soll.
PHYSINT zeigt, wie sehr sich Sony verändert hat
Kaum ein Projekt passt besser zu Sonys neuem Kurs als Hideo Kojimas PHYSINT. 2024 noch groß gemeinsam mit PlayStation angekündigt, zog Sony im Juni 2026 die Reißleine. Drei Monate später hatte Kojima mit Xbox bereits einen neuen Partner gefunden.
Wie Bloomberg berichtet, lag PHYSINT hinter dem Zeitplan, die Kosten drohten deutlich zu steigen und Sony zweifelte an der Profitabilität. Zudem wäre das Spiel offenbar nicht dauerhaft PlayStation-exklusiv geblieben. Selbst ein Prestigeprojekt von Hideo Kojima bekommt also keinen Freifahrtschein mehr, wenn Sonys Rechnung nicht aufgeht.
Und genau darin dürfte die Antwort auf die Frage liegen, was bei PlayStation gerade passiert: Sony hat Singleplayer nicht aufgegeben und steckt auch nicht in einer Krise. Der Konzern führt PlayStation schlicht stärker denn je als profitables Geschäft.
Für Sony funktioniert das hervorragend. Die Frage ist nur, wie viel von dem PlayStation übrig bleibt, das die Marke einst so erfolgreich gemacht hat.

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