Netflix hat wieder an der Preisschraube gedreht. Wer sein Abo seit Jahren einfach weiterlaufen lässt, zahlt nun plötzlich zwei Euro mehr im Monat – ohne dafür irgendeine neue Funktion freigeschaltet zu bekommen.
Spätestens hier wird aus Gewohnheit wieder eine bewusste Kaufentscheidung: Ist Netflix das Geld noch wert oder bekommt man bei Disney+, Prime Video, Apple TV oder HBO Max inzwischen das bessere Angebot?
Die neuen Netflix-Preise im Überblick
Das günstigste Netflix-Abo mit Werbung kostet 6,99 Euro, Standard ohne Werbung 15,99 Euro und Premium mit 4K und HDR 21,99 Euro. Alle drei Tarife wurden um zwei Euro teurer. Wer Premium zwölf Monate laufen lässt, kommt damit auf 263,88 Euro pro Jahr.
Gerade Premium muss man deshalb wirklich wollen. 4K, HDR und die zusätzlichen Funktionen sind schön, aber 21,99 Euro sind kein Preis mehr, den man einfach übersieht, wenn die monatliche Abbuchung kommt.
Ein schneller Überblick zeigt schon, wie unterschiedlich die fünf großen Anbieter aufgestellt sind:
| Streamingdienst | Einstiegspreis* | Größte Stärke | Größte Schwäche | Besonders geeignet für |
|---|---|---|---|---|
| Netflix | 6,99 € | enorme Vielfalt | teuer ohne Werbung | Allrounder |
| Disney+ | 6,99 € | Disney, Hulu, FX | weniger Auswahl als Netflix | Familien |
| Prime Video | 8,99 € | viel fürs Geld | unübersichtliches Angebot | Prime-Kunden |
| Apple TV | 9,99 € | starke Serienqualität | kleiner Katalog | Serienfans |
| HBO Max | 5,99 € | Prestige-Serien | kleinerer Gesamtkatalog | HBO-/Warner-Fans |
*Reguläre Preise in Deutschland, Aktionsangebote ausgenommen. In Österreich unterscheiden sich einzelne Tarife.
Wer Netflix verlassen möchte, bekommt keine garantierte bessere Alternative. Die Konkurrenz ist inzwischen stark, aber meistens auf andere Weise.
Netflix, Disney+, Prime, Apple oder HBO: Welcher Dienst passt besser?
Netflix ist teuer, aber weiterhin der sicherste Allrounder
Über Netflix lässt sich wunderbar schimpfen: zu teuer, mal wieder eine abgesetzte Serie, viel Mittelmaß zwischen den Hits und Account-Sharing ist längst nicht mehr so unkompliziert wie früher. Dann öffnet man die App und findet trotzdem meistens irgendetwas.
Und genau darin liegt Netflix‘ größte Stärke. Netflix deckt beinahe alles ab: große Serien, Hollywood-Filme, Eigenproduktionen, Dokus, Reality, Anime und Kinderinhalte. Wer abends auf dem Sofa sitzt und selbst noch nicht weiß, ob es ein Thriller, eine Doku oder irgendein Film werden soll, hat hier wahrscheinlich die beste Chance, nicht nach zehn Minuten genervt wieder auszuschalten.
Reicht ein einziger Dienst und gibt es keine sehr speziellen Vorlieben, ist Netflix weiterhin die sicherste Wahl.
Disney+ ist inzwischen viel mehr als Marvel und Kinderfilme
Bei Disney+ hält sich das Bild vom Streamingdienst für Pixar-Filme, Marvel-Fans und Kinder erstaunlich hartnäckig. Dabei sieht das Angebot 2026 deutlich anders aus.
Natürlich liegen dort nach wie vor Disney, Pixar, Star Wars und Marvel, was für Familien ein gewaltiger Vorteil ist. Dazu kommen aber inzwischen Hulu und FX mit deutlich erwachseneren Serien und Filmen. Produktionen wie Shōgun, Only Murders in the Building, Alien: Earth oder Paradise haben mit dem alten „Disney Channel“-Image herzlich wenig zu tun.
Für Familien ist Disney+ wahrscheinlich die stärkste Alternative zu Netflix.
Apple TV bedeutet weniger suchen, aber mehr schauen
Apple TV ist fast das genaue Gegenteil von Netflix. Anders als bei Netflix hat man hier nicht das Problem der zu großen Auswahl. Das klingt vielleicht zunächst nach einem Nachteil und ist es für manche auch. Im Apple-TV-Abo stecken Hunderte exklusive Serien und Filme statt einer riesigen Bibliothek aus Eigenproduktionen und Lizenztiteln. Dafür ist die Trefferquote bemerkenswert hoch.
Vor allem bei Serien hat sich Apple eine ziemlich klare Identität aufgebaut. Severance, Silo, Foundation, For All Mankind, Dark Matter oder Shrinking stehen für genau das, was dort auffällt. Nämlich hohe Produktionswerte, bekannte Darsteller und ein besonders starkes Angebot bei Science-Fiction, Thriller und Drama.
Wer lieber drei Serien findet, auf die er wirklich Lust hat, als sich durch 30 mittelmäßige Vorschläge zu scrollen, könnte mit Apple TV sogar glücklicher werden.
Prime Video bringt viel fürs Geld, wenn man sich im Menü zurechtfindet
Prime Video hat ein seltsames Problem. Es besitzt einen riesigen Katalog und schafft es trotzdem, sich kleiner anzufühlen, als es ist. Eigenproduktionen wie Fallout, The Boys, Reacher oder Maxton Hall müssen sich vor der Konkurrenz nicht verstecken. Hinzu kommen Filme, Lizenzserien und Sport. Die Prime-Mitgliedschaft beinhaltet dabei nicht nur Prime Video, sondern auch die bekannten Amazon-Vorteile. Preislich ist das also schwer zu schlagen, vor allem wenn man Prime sowieso abonniert hat.
Die Schwäche merkt man eher beim Benutzen. Prime-Inhalte stehen neben Filmen zum Kaufen, Leihen und zusätzlichen Channels. Man sieht etwas Interessantes, klickt darauf und muss feststellen, dass natürlich ausgerechnet das wieder nicht zum Abo gehört.
Zahlt man aber ohnehin für Amazon Prime, lohnt sich die Frage, ob es Netflix daneben überhaupt noch braucht.
HBO Max hat weniger Masse, dafür verdammt viele große Namen
Bei HBO Max reicht ein Blick auf die Bibliothek, um zu verstehen, warum der Dienst einen guten Ruf hat: Game of Thrones, Succession, Chernobyl, The Last of Us, The White Lotus, The Pitt – und dahinter noch der Warner- und DC-Katalog. Wenn man nur die angesehensten Serien der vergangenen Jahre zählen würde, könnte HBO diesen Vergleich vermutlich ziemlich schnell beenden.
HBO Max ist in Deutschland und Österreich erst seit Januar 2026 direkt verfügbar. Der Katalog ist stark, reicht in seiner Breite aber noch nicht an Netflix heran. Wer Reality, ständig neue internationale Produktionen, Kinderinhalte und möglichst viel Auswahl aus jedem Genre erwartet, wird den Unterschied merken.
Als kompletter Netflix-Ersatz ist der Dienst für viele noch zu spezialisiert. Für Prestige-Serien gehört er aber zur stärksten Konkurrenz überhaupt.
Paramount+, WOW und Co. spielen ein anderes Spiel
Neben den fünf großen Kandidaten gibt es inzwischen eine breite Palette aus anderen Diensten.
Paramount+ kostet beispielsweise ab 5,99 Euro und hat mit Star Trek, den Taylor-Sheridan-Serien, Paramount-Filmen und einigen großen Franchises durchaus Argumente. Der Katalog ist nur für viele zu speziell, um Netflix eins zu eins zu ersetzen.
Bei WOW sind vor allem aktuelle Filme, Sky-Inhalte und einzelne Serien interessant. Das monatliche Filme-&-Serien-Abo kostet regulär 9,98 Euro. Für Full HD, zwei Streams und Werbefreiheit zahlt man zusätzlich WOW Premium für 6 Euro und landet damit preislich plötzlich in einer ganz anderen Gegend.
RTL+ ist wiederum kaum sinnvoll gegen Apple TV auszuspielen. Wer Reality, deutsche Shows, Live-TV oder RTL-Formate schaut, bekommt dort etwas, das Apple gar nicht anbieten will. Für internationale Prestige-Serien sieht die Sache umgekehrt aus. RTL+ startet derzeit bei 5,99 Euro.
Noch spezieller wird es bei Crunchyroll. Der Dienst kostet 8,99 Euro und konzentriert sich fast vollständig auf Anime. Für alle, die hauptsächlich Anime schauen, kann das sogar die bessere Wahl sein als ein klassischer Allround-Dienst.
Ein kleinerer Katalog ist nicht automatisch schlechter. Wenn darin genau das liegt, was man sehen möchte, kann er sogar die bessere Wahl sein.
Soll man Netflix nach der Preiserhöhung jetzt kündigen?
Bei regelmäßiger Nutzung, spontanem Genre-Wechsel und dem Wunsch nach möglichst viel Auswahl bleibt Netflix 2026 das überzeugendste Gesamtpaket. Gerade als einziges Streamingabo ist Netflix schwer zu ersetzen.
Interessanter wird ein Wechsel, wenn die eigenen Vorlieben klarer sind.
| Wenn du vor allem … | Dann lohnt sich eher … |
|---|---|
| von allem etwas schaust | Netflix |
| mit Kindern oder Familie schaust | Disney+ |
| hochwertige Serien, Sci-Fi und Drama willst | Apple TV |
| Amazon Prime sowieso bezahlst | Prime Video |
| HBO- und Prestige-Serien liebst | HBO Max |
| Anime schaust | Crunchyroll |
| Reality und deutsches TV willst | RTL+ |
Und natürlich muss niemand einem Streamingdienst die ewige Treue schwören. Streaming-Abos lassen sich mittlerweile genauso gut nach dem aktuellen Programm wechseln. Wer gerade drei Apple-Serien sehen möchte, kann einen Monat Apple TV buchen und danach wieder zu Netflix zurückkehren.
Die Preiserhöhung macht Netflix deshalb nicht plötzlich zu einem schlechten Streamingdienst. Als Allrounder bleibt Netflix 2026 trotzdem vorne. Wer aber ziemlich genau weiß, was er sehen möchte, findet bei der Konkurrenz inzwischen oft das passendere – und teilweise günstigere – Angebot.
Der beste Streamingdienst ist am Ende nicht der mit den meisten Titeln im Katalog. Es ist der, bei dem man nach dem Öffnen tatsächlich auf „Play“ drückt.

[…] Reichweite eine Rolle gespielt haben. Gute Kritiken und viele Aufrufe reichen bei teuren Streaming-Produktionen längst nicht automatisch für eine […]