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Robert Pattinson in Primetime: Dem echten Chris Hansen gefällt das nicht

Geschrieben von Alba Aliti

Zuletzt aktualisiert am

Robert Pattinson als Chris Hansen in Primetime neben dem echten Chris Hansen in einer geteilten Bildkomposition.

Robert Pattinson verwandelt sich für Primetime in Chris Hansen, den Mann hinter To Catch a Predator, einer der umstrittensten US-TV-Sendungen der 2000er. Noch vor dem deutschen Kinostart am 24. September gehört ausgerechnet Hansen selbst zu den schärfsten Kritikern des Films. Und das, obwohl er den fertigen Film bislang noch gar nicht gesehen hat.

Was To Catch a Predator überhaupt war

Wer Anfang der 2000er kein US-Fernsehen geschaut hat, dürfte mit Chris Hansen zunächst wenig anfangen können. In To Catch a Predator wurden erwachsene Männer mithilfe von Lockvögeln in Häuser gelockt, weil sie glaubten, dort Minderjährige zu treffen. Stattdessen warteten versteckte Kameras, Chris Hansen und bei vielen Aktionen anschließend die Polizei.

Die Sendung begann als Teil von NBCs Dateline und entwickelte sich schnell zu einem TV-Phänomen. Hansen konfrontierte die Männer mit ihren Chatverläufen, stellte Fragen und ließ die Kameras laufen. Diese Mischung aus Journalismus, öffentlicher Bloßstellung und Reality-TV brachte enorme Aufmerksamkeit und ebenso viel Kritik.

Primetime erzählt die Phase, in der Hansen vom Reporter zum Gesicht eines riesigen TV-Erfolgs wurde. Die Version von Pattinson zeigt dabei, wie Hansen die wachsende Bekanntheit genießt und immer stärker an Einschaltquoten denkt. Im Film will er mit To Catch a Predator sogar Lost schlagen, damals eine der größten US-Serien überhaupt. Diese Jagd nach Aufmerksamkeit gehört zu den zentralen Themen des Films.

Der Film zeigt Hansen deutlich düsterer

Genau damit hat der echte Chris Hansen ein Problem. Chris Hansen war an Primetime nicht beteiligt und wirft dem Film vor, Szenen und Gespräche zu erfinden, während gleichzeitig sein echter Name und seine Geschichte verwendet werden. Er will, dass der Film deutlicher als Fiktion gekennzeichnet wird und schließt rechtliche Schritte nicht aus.

Kurios ist allerdings der Grund dafür: Zu einer Vorabvorführung erschien Hansen zwar, ging aber wieder, weil er die verlangte Vertraulichkeitserklärung nicht unterschreiben wollte. Laut Hansen hätte diese seine rechtlichen Möglichkeiten eingeschränkt. Aus dem Umfeld der Produktion heißt es dagegen, es habe sich um eine übliche NDA für eine Vorabvorführung gehandelt. Seine Kritik basiert bisher vor allem auf Trailern und veröffentlichten Szenen.

Pattinson selbst hielt sich bei der Premiere in Venedig auffallend diplomatisch. Auf Hansens Kritik angesprochen, sagte er lediglich, er hoffe, Hansen werde den Film mögen.

Primetime mischt Realität und Fiktion ganz bewusst

Der Film bezeichnet sich als „inspiriert von wahren Begebenheiten“, will aber keine dokumentarisch exakte Rekonstruktion liefern. Regisseur Lance Oppenheim nennt seinen Ansatz „Docufantasia“: Reale Ereignisse treffen auf erfundene Dialoge, stilisierte Szenen und fiktionalisierte Figuren. Gerade bei Filmen über reale Personen wird diese Grenze schnell zum Streitpunkt, wie zuletzt auch bei Michael Jacksons Biopic.

Auch mehrere Nebenfiguren sind keine direkten Abbilder realer Personen. Die Produzentin Andie Bender und der junge Lockvogel Dan Plumb sind fiktionalisierte bzw. aus mehreren Vorbildern zusammengesetzte Figuren. Dadurch bekommt der Film mehr Freiheit, Themen wie Quotendruck, Ruhm und die psychische Belastung hinter der Sendung zuzuspitzen.

Im Mittelpunkt steht damit eine ziemlich unangenehme Frage: Was passiert, wenn aus einer ernsthaften Jagd auf mutmaßliche Täter gleichzeitig erfolgreiche Unterhaltung wird?

Genau deshalb ist der Streit so interessant: Hansen kritisiert einen Film dafür, seine Realität zu dramatisieren – während der Film gerade davon handelt, wie Realität fürs Fernsehen dramatisiert wird.

Chris Hansen nutzt den Film jetzt selbst

Der Streit bekommt noch eine ziemlich absurde Pointe. Hansens Streamingdienst TruBlu hat Werbeplätze direkt vor Primetime-Vorführungen in US-Kinos gekauft. Wer ins Kino geht, um Robert Pattinson als Chris Hansen zu sehen, bekommt also zuerst den echten Hansen zu sehen, der für seine heutige Plattform und seine Sendung Takedown wirbt.

Hansen nutzt damit genau das Publikum, das durch den Film auf ihn aufmerksam wird. Ausgerechnet ein Film über die Vermarktung realer Fälle wird so selbst zur Werbefläche für den Mann, dessen Darstellung darin umstritten ist.

Während Hansen öffentlich gegen Primetime vorgeht, kommt Pattinson bisher deutlich besser weg. Gerade seine Darstellung wurde nach der Premiere in Venedig in mehreren Kritiken besonders hervorgehoben.

Am 24. September 2026 startet Primetime in den deutschen Kinos und reiht sich damit in einen ohnehin vollen Kinoherbst 2026 ein. Ab dann kann auch Hansen den fertigen Film ohne NDA sehen und entscheiden, ob aus seiner Kritik tatsächlich ein Rechtsstreit wird.

Über den Autor

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Alba Aliti

Ich schreibe für Themenblick Artikel über Gaming, Wissen, Freizeit, Filme & Serien und Sport. Ich lese gerne, beschäftige mich mit unterschiedlichen Themen und mag es, Dinge so zu erklären, dass sie schnell verständlich werden. Gute Artikel sollten nämlich nicht nur informieren, sondern auch angenehm zu lesen sein.

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