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Der Buchclub für Menschen, die Buchclubs hassen

Geschrieben von Nils Brandt

Zuletzt aktualisiert am

Mehrere Menschen lesen schweigend ihre eigenen Bücher in einem Café

Ein Café voller Menschen. Auf den Tischen liegen Romane, Comics und E-Reader. Doch statt angeregter Diskussionen über Charakterentwicklung oder Kapitel herrscht Stille. Jeder liest sein eigenes Buch.

Doch genau so soll es im Silent Book Club sein. Hier gibt es keine Pflichtlektüre, keine vorbereiteten Fragen und keinen Druck, kluge Antworten liefern zu müssen.

Kein Pflichtbuch, keine Hausaufgaben, kein Literaturreferat

Das Konzept ist einfach. Die Teilnehmer eines Silent Book Clubs bringen selbst mit, was sie lesen möchten. Das kann der aktuelle Bestseller sein, ein Sachbuch oder ein Manga. Das Treffen beginnt meist mit einer kurzen Ankommensphase, in der man sich Getränke holt und Platz nimmt. Danach wird ungefähr eine Stunde schweigend gelesen. Anschließend kann man sich unterhalten oder auch einfach weiterlesen.

Es müssen also nicht alle ein bestimmtes Buch kaufen, niemand muss bis zu einem festgelegten Kapitel kommen und man muss sich auch nicht an Diskussionen beteiligen. Der einzige gemeinsame Nenner ist nicht das Buch, sondern die Zeit, die man ihm widmet.

Als der Buchclub zur Pflicht wurde

Die Idee entstand aus Frust über klassische Buchclubs. Guinevere de la Mare und Laura Gluhanich gründeten den ersten Silent Book Club. Beide liebten Bücher und gemeinsame Treffen, hassten aber feste Leselisten, Zeitdruck und den sozialen Zwang.

Also strichen sie kurzerhand alle Regeln. 2012 trafen sie sich in einer Weinbar in San Francisco, bestellten etwas zu trinken und lasen schweigend ihre eigenen Bücher. Aus dem lockeren Treffen unter Freundinnen wurde 2015 eine offizielle Organisation.

Allein lesen, ohne allein zu sein

Eigentlich ist Lesen eine einsame Freizeitbeschäftigung. Der Silent Book Club macht daraus ein gemeinsames Erlebnis, ohne die nötige Ruhe zu zerstören. Man befindet sich unter Gleichgesinnten, muss aber weder erzwungenen Small Talk führen noch ständig ein Gespräch am Laufen halten.

Damit schlägt das Format eine seltene Brücke zwischen Rückzug und Gesellschaft. Es ist ideal für introvertierte Menschen, aber auch für alle, die neue Kontakte knüpfen möchten, ohne sich durch laute oder anstrengende Gruppenaktivitäten kämpfen zu müssen.

Die Idee zieht inzwischen Kreise über den gesamten Globus. Mit mehr als 2.000 Gruppen in 68 Ländern ist das gemeinsame Schweigen längst zu einer weltweiten Bewegung geworden. Der Silent Book Club bringt Menschen zusammen, ohne aus einem Hobby eine weitere Verpflichtung zu machen. Er ist der perfekte Buchclub für Menschen, die Buchclubs eigentlich hassen.

Über den Autor

44 Artikel

Nils Brandt

Ich bin Nils und schreibe bei Themenblick vor allem über Gaming, Sport, Technik, Filme und digitale Trends. Mich interessieren Themen, bei denen es nicht nur um die schnelle Schlagzeile geht, sondern auch um die Geschichte dahinter. In meiner Freizeit lese ich mich gerne in neue Themen ein, fahre Ski und mache ab und zu Roadtrips.

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