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Handspiel im Fußball: Wann es wirklich Elfmeter gibt und wann nicht

Geschrieben von Nils Brandt

Zuletzt aktualisiert am

Fußball fliegt im Strafraum knapp am Arm eines Spielers vorbei – Symbolbild zur Handspielregel und möglichen Elfmeter-Entscheidung.

Der Ball fliegt im Strafraum an einen Arm und sofort gehen die Hände hoch. Elfmeter. Doch so einfach ist die Handspielregel im Fußball nicht.

Das aktuelle Regelwerk stellt ausdrücklich klar, dass nicht jede Berührung des Balls mit Hand oder Arm ein Handspiel ist. Ob daraus ein Vergehen und im Strafraum sogar ein Elfmeter wird, hängt von mehreren Faktoren ab.

Wann ist eine Berührung wirklich Handspiel?

Ein Handspiel liegt zunächst dann vor, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm spielt. Das eindeutigste Beispiel ist, wenn sich Hand oder Arm gezielt zum Ball bewegen.

Schwieriger sind die Situationen, in denen keine Absicht erkennbar ist. Auch dann kann gepfiffen werden, wenn die Armhaltung den Körper unnatürlich vergrößert. Vereinfacht gesagt: Der Arm deckt eine Fläche ab, die sich nicht sinnvoll aus der Bewegung des Spielers erklären lässt. Wer mit weit ausgestrecktem Arm einen Schuss blockt, kann auch dann ein Handspiel begehen, wenn er den Ball nicht bewusst mit der Hand spielen wollte.

Umgekehrt bedeutet eine Ballberührung am Arm nicht automatisch einen Pfiff. Liegt der Arm eng am Körper oder lässt sich seine Position durch die natürliche Bewegung in dieser Situation erklären, kann weitergespielt werden.

Regeltechnisch zählt außerdem nicht der gesamte Bereich bis zur Schulter als Arm. Die Grenze verläuft ungefähr auf Höhe der Unterseite der Achselhöhle. Ein Ballkontakt mit der Schulter kann völlig legal sein.

Ähnlich ist es bei anderen Fußballregeln: Auch eine Abseitsstellung ist nicht automatisch ein strafbares Abseits.

Angeschossen, Stützhand, Arm draußen: Was passiert in typischen Situationen?

„Der wurde doch nur angeschossen“ ist eines der häufigsten Argumente nach strittigen Szenen. Kurze Entfernung allein schützt einen Spieler aber nicht automatisch vor einem Handspiel. Befindet sich der Arm in einer unnatürlichen Position und macht den Körper deutlich größer, kann auch bei einem Ball aus kurzer Distanz ein strafbares Handspiel vorliegen. Im eigenen Strafraum kann das einen Elfmeter zur Folge haben.

Anders sieht es aus, wenn der Spieler den Arm am Körper hält oder sogar versucht, ihn zurückzuziehen. Das IFAB nennt einen solchen Fall als Beispiel für eine erlaubte Situation: Wird ein Verteidiger aus kurzer Nähe am angelegten Arm getroffen, ohne dass er zum Ball geht, läuft das Spiel weiter. Auch wenn ein Spieler den Ball zunächst bewusst mit Fuß oder Kopf spielt und er anschließend versehentlich an den eigenen Arm springt, ist das nicht automatisch ein Handspiel.

Auch die oft erwähnte Stützhand beim Fallen ist keine einfache Freikarte. Ist die Armposition beim Abstützen durch die natürliche Bewegung beim Sturz erklärbar, spricht das gegen ein strafbares Handspiel. Wird der Arm dagegen weit vom Körper weggehalten und blockiert dadurch den Ball, kann die Szene anders bewertet werden.

Deshalb funktioniert auch die alte Faustregel „Arm über Schulterhöhe = Handspiel“ nicht zuverlässig. Das aktuelle Regelwerk gibt keine feste Höhe vor. Entscheidend ist die konkrete Körperbewegung und ob die Position des Arms dafür gerechtfertigt ist.

Wann wird aus Handspiel ein Elfmeter?

Für einen Elfmeter müssen zwei Dinge zusammenkommen: Es muss tatsächlich ein Handspielvergehen vorliegen und es muss von einem Verteidiger im eigenen Strafraum begangen werden.

Berührt ein Verteidiger den Ball dort nur versehentlich mit einem natürlich positionierten Arm, gibt es keinen Strafstoß. Macht er seinen Körper mit einem ausgestreckten Arm unnatürlich größer und blockt damit den Ball, kann der Schiedsrichter auf Elfmeter entscheiden, selbst wenn keine bewusste Handbewegung zum Ball zu erkennen war. Nicht allein der Ballkontakt zählt also, sondern auch, wo sich der Arm befand und ob die Haltung zur Bewegung des Spielers passte.

Warum gilt für den Torschützen eine Sonderregel?

Eine besondere Regel gilt unmittelbar vor einem Tor. Erzielt ein Spieler ein Tor direkt mit Hand oder Arm, zählt es auch bei einer völlig unabsichtlichen Berührung nicht. Dasselbe gilt, wenn der spätere Torschütze den Ball unmittelbar vor seinem Treffer selbst versehentlich an die Hand oder den Arm bekommt.

Wichtig ist eine häufig übersehene Unterscheidung: Berührt ein Mitspieler vorher versehentlich den Ball mit der Hand und ein anderer Spieler erzielt anschließend das Tor, wird der Treffer nicht allein deswegen aberkannt. Für den Spieler mit dem Handkontakt gelten die normalen Handspielkriterien, also Absicht oder eine unnatürliche Vergrößerung des Körpers. Das IFAB stellt ausdrücklich klar, dass ein versehentlicher Handkontakt eines Mitspielers vor einem Tor nicht automatisch ein Vergehen ist.

So lässt sich eine strittige Szene besser einordnen

Bei einer strittigen Szene reicht die Frage „War der Ball an der Hand?“ nicht aus. Der erste Eindruck reicht hier genauso wenig wie bei manchen anderen Fußballregeln. So gelten etwa auch bei Einwurf, Ecke und Abstoß besondere Abseitsregeln.

Als Orientierung hilft vielmehr der Blick darauf, ob sich Hand oder Arm zum Ball bewegten, ob die Armhaltung den Körper unnatürlich vergrößerte und ob diese Position durch die natürliche Bewegung des Spielers erklärbar war.

Die Regel folgt keiner einfachen Formel wie „Ball am Arm = Elfmeter“. Zwei ähnlich aussehende Szenen können deshalb regeltechnisch unterschiedlich bewertet werden.

Über den Autor

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Nils Brandt

Ich bin Nils und schreibe bei Themenblick vor allem über Gaming, Sport, Technik, Filme und digitale Trends. Mich interessieren Themen, bei denen es nicht nur um die schnelle Schlagzeile geht, sondern auch um die Geschichte dahinter. In meiner Freizeit lese ich mich gerne in neue Themen ein, fahre Ski und mache ab und zu Roadtrips.

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