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Rein, looten, lebend raus: So funktionieren Extraction-Shooter

Geschrieben von Nils Brandt

Zuletzt aktualisiert am

Bewaffnete Spieler fliehen mit ihrer Ausrüstung zu einem Evakuierungsflugzeug in einer zerstörten Spielwelt als Symbol für das Prinzip von Extraction-Shootern.

Reingehen, möglichst wertvolle Beute finden und vor allem wieder lebend herauskommen. Was einfach klingt, hat sich zu einem eigenen Shooter-Genre entwickelt. Spiele wie Escape from Tarkov und ARC Raiders setzen auf dieses Prinzip. Am 23. Oktober bringt auch Modern Warfare 4 seinen DMZ-Modus zurück.

Der Zeitpunkt könnte für Neulinge kaum besser sein: ARC Raiders hat gerade mit „Frozen Trail“ sein bislang größtes Update erhalten und lässt sich noch bis 12. Oktober kostenlos ausprobieren. Wer dort zum ersten Mal Begriffe wie Extraction, Loot oder PvPvE liest, fragt sich schnell: Was macht einen Extraction-Shooter eigentlich aus?

Was passiert in einem Extraction-Shooter?

Ein Einsatz läuft in den meisten Spielen ähnlich ab. Zu Beginn betritt man allein oder mit einem Team ein größeres Gebiet. Dort sucht man nach Waffen, Ausrüstung, Ressourcen oder anderen wertvollen Gegenständen, im Spielerjargon Loot. Gleichzeitig können Aufgaben erledigt, bestimmte Orte durchsucht oder Gegner bekämpft werden. Das eigentliche Ziel ist aber nicht zwingend, möglichst viele andere Spieler auszuschalten.

Irgendwann muss man sich entscheiden, ob man weitersucht oder mit der bisherigen Beute verschwindet. Dafür gibt es bestimmte Ausgänge, sogenannte Extraction Points oder Ausstiegspunkte. Erst wenn die Flucht gelingt, ist der Run erfolgreich und die mitgenommene Beute kann je nach Spiel für spätere Einsätze verwendet, verkauft oder verarbeitet werden.

Genau dieser letzte Schritt unterscheidet das Genre von vielen klassischen Online-Shootern. Ein Rucksack voller seltener Gegenstände ist noch kein Erfolg. Man muss ihn auch aus der Runde herausbekommen.

Warum der Tod plötzlich etwas kostet

In einem normalen Multiplayer-Match ist eine Niederlage schnell vergessen. Die nächste Runde beginnt und die Ausrüstung steht meist wieder zur Verfügung. Extraction-Shooter geben dem Tod deutlich mehr Gewicht.

Oft setzt man bereits vor einem Einsatz eigene Waffen und Ausrüstung aufs Spiel. Stirbt man vor der Extraction, kann ein großer Teil davon zusammen mit der gerade gesammelten Beute verloren gehen. Wie streng diese Regel ausfällt, unterscheidet sich von Spiel zu Spiel. Manche Titel schützen einzelne Gegenstände oder bieten günstigere Loadouts und Möglichkeiten, verlorene Ausrüstung zurückzubekommen.

Der Reiz entsteht deshalb weniger durch das Gewinnen einer Runde als durch ständig neue Risikoentscheidungen. Nach zehn Minuten findet man vielleicht einen seltenen Gegenstand. Eigentlich könnte man sofort verschwinden. Im Gebäude nebenan wartet aber möglicherweise noch wertvollerer Loot.

Hier entsteht die typische Spannung des Genres: Gehe ich auf Nummer sicher oder riskiere ich alles für noch mehr?

Was bedeutet PvPvE?

Viele Extraction-Shooter werden als PvPvE bezeichnet. Die drei Buchstaben stehen für „Player versus Player versus Environment“. Auf einer Karte trifft man also sowohl auf echte Spieler als auch auf Gegner, die vom Spiel gesteuert werden.

Bei ARC Raiders streifen beispielsweise feindliche ARC-Maschinen durch die Welt, während gleichzeitig andere Raider unterwegs sind. Ein fremder Spieler muss nicht zwangsläufig sofort angreifen, kann aber jederzeit zur Gefahr werden. Embark beschreibt das Spiel deshalb selbst als eine Mischung aus gefährlicher Umgebung und der Bedrohung durch andere Raider.

Auch das neue DMZ setzt auf beide Ebenen. Infinity Ward beschreibt Hajin als Gebiet mit feindlichen Einheiten und rivalisierenden Operatoren. Man kann Missionen erledigen und Ressourcen suchen, während andere Spieler auf derselben Karte eigene Ziele verfolgen.

Das sorgt für Situationen, die sich kaum planen lassen. Ein Kampf gegen KI-Gegner kann andere Spieler auf die eigene Position aufmerksam machen. Ein vermeintlich friedlicher Kontakt kann plötzlich eskalieren. Manchmal ist es sogar sinnvoller, einem Gefecht komplett aus dem Weg zu gehen.

Was ist der Unterschied zu Battle Royale?

Auf den ersten Blick ähneln sich beide Genres. Mehrere Spieler betreten eine große Karte, sammeln Waffen und können jederzeit auf Gegner treffen. Der entscheidende Unterschied liegt aber im Ziel der Runde.

In einem Battle Royale wie Fortnite, PUBG oder Warzone geht es normalerweise darum, bis zum Schluss zu überleben. Das Spielfeld wird kleiner, immer mehr Spieler treffen aufeinander und am Ende bleibt ein Sieger oder ein Team übrig.

Ein Extraction-Shooter verlangt dagegen nicht, dass alle anderen Spieler besiegt werden. Wer wertvolle Beute gefunden hat, kann sich frühzeitig auf den Weg zum Ausgang machen. Jemand anderes bleibt vielleicht länger, erledigt noch eine Mission und riskiert dadurch einen weiteren Kampf.

Hinzu kommt die Verbindung zwischen den Runden. Die erfolgreich extrahierte Ausrüstung landet häufig im eigenen Lager und kann beim nächsten Einsatz wieder verwendet werden. Ein guter Run verbessert also die Ausgangslage für spätere Runden.

ARC Raiders, Tarkov und DMZ: gleiches Prinzip, andere Spiele

Escape from Tarkov hat das moderne Bild des Extraction-Shooters stark geprägt. Es setzt auf eine harte Lernkurve, detaillierte Waffen- und Inventarsysteme und hohe Konsequenzen bei Fehlern. Wer mit wertvoller Ausrüstung in einen Raid geht, muss damit rechnen, sie bei einem Tod zu verlieren.

ARC Raiders macht dasselbe Grundprinzip zugänglicher. Das Spiel wird aus der Third-Person-Perspektive gespielt, setzt stark auf seine mechanischen ARC-Gegner und bezeichnet sich selbst lieber als „Extraction Adventure“. Dennoch bleibt die zentrale Entscheidung dieselbe: weitersuchen oder mit der Beute verschwinden.

DMZ wiederum verbindet den Extraction-Loop mit dem bekannten Call-of-Duty-Gunplay. In Modern Warfare 4 gibt es dafür mit der Forward Operating Base sogar ein eigenes Hauptquartier, in dem erbeutete Gegenstände gelagert, Ausrüstung vorbereitet und Fortschritte verwaltet werden. Stirbt ein Operator, soll das neue MIA-System außerdem erlauben, ihn gegen Spielwährung zurückzuholen. DMZ fällt dadurch etwas weniger kompromisslos aus als viele traditionelle Extraction-Shooter.

Extraction-Shooter folgen also keinem festen Regelbuch. Perspektive, Schwierigkeitsgrad, Verlustsystem und Schwerpunkt können sich stark unterscheiden. Was sie verbindet, ist eine einfache Idee: Beute zu finden reicht nicht. Wertvoll wird sie erst, wenn man sie lebend nach draußen bringt.

Über den Autor

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Nils Brandt

Ich bin Nils und schreibe bei Themenblick vor allem über Gaming, Sport, Technik, Filme und digitale Trends. Mich interessieren Themen, bei denen es nicht nur um die schnelle Schlagzeile geht, sondern auch um die Geschichte dahinter. In meiner Freizeit lese ich mich gerne in neue Themen ein, fahre Ski und mache ab und zu Roadtrips.

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