Fünf Tage, rund 900 Spiele und unzählige neue Trailer später ist die Gamescom 2026 vorbei. 368.000 Besucher aus 131 Ländern kamen nach Köln, gleichzeitig erreichte das Showprogramm mehr als 624 Millionen Views. Allein die Opening Night Live wurde mehr als 78 Millionen Mal aufgerufen.
Bei dieser Menge geht zwangsläufig einiges unter. Diese Spiele haben es aber trotzdem geschafft, aus der Masse herauszustechen.
1. The Witcher 3 – die absurdeste Überraschung der Gamescom
Ausgerechnet ein elf Jahre altes Spiel wurde plötzlich zu einem der größten Gesprächsthemen der Gamescom 2026.
CD Projekt Red kündigte The Witcher 3: Wild Hunt Remastered an. Die neue Version erscheint bereits am 29. September und soll Grafik, Performance und Gameplay für aktuelle Hardware überarbeiten. Besitzer des Originals auf unterstützten Plattformen bekommen das Remaster als kostenloses Upgrade. Damit allein wäre Geralt vermutlich schon für einige Schlagzeilen gut gewesen. Die eigentliche Überraschung kam aber direkt hinterher: The Witcher 3 bekommt noch einmal eine komplett neue Erweiterung.
Songs of the Past schickt Geralt 2027 nach Letten, eine bislang unbekannte Region, die zunächst deutlich friedlicher aussieht, als sie ist. Mehr als ein Jahrzehnt nach dem ursprünglichen Release ist Geralts Geschichte damit noch immer nicht ganz vorbei.
Und die Ankündigung kam an. The Witcher 3 nahm gleich drei Gamescom Awards mit nach Hause. Die Fans wählten Remaster und DLC zum besten Trailer der Opening Night Live. Dazu kamen Auszeichnungen für den besten Stand und das beste Merchandise.
2. Fable – das Spiel wirkt endlich real
Um das neue Fable herum gab es in den vergangenen Jahren reichlich Trailer und Versprechen. Auf der Gamescom wurde es nun deutlich konkreter: Playground Games zeigte 18 Minuten Gameplay rund um eine Quest durch Bowerstone.
Dabei wurde deutlich, wie stark Playground die Stadt auf Interaktion auslegt: Jedes Gebäude soll betretbar sein, jedes Haus kann gekauft werden und Entscheidungen beeinflussen, wie die Bewohner auf den eigenen Helden reagieren.
Auch beim Kampf wurde es endlich konkreter. Nahkampf, Fernkampf und Magie lassen sich miteinander verbinden, statt getrennte Systeme zu bilden. Pressevertreter und Creator konnten Fable auf der Messe zudem erstmals selbst spielen.
Das Warten dauert auch nicht mehr allzu lange. Fable erscheint am 23. Februar 2027.
3. Gears of War: E-Day – erstmals war die Kampagne öffentlich spielbar
Noch konkreter wurde es bei Gears of War: E-Day. Die Coalition verzichtet diesmal auf eine Fortsetzung der bisherigen Geschichte und springt zurück zum Anfang. E-Day spielt 14 Jahre vor dem ersten Gears of War und zeigt, wie Marcus Fenix und Dominic Santiago den Beginn des Locust-Krieges erleben.
Das Entscheidende auf der Gamescom war aber nicht die Story. Zum ersten Mal durfte die Öffentlichkeit die Kampagne selbst spielen. Keine zurechtgeschnittenen Szenen und kein reiner Gameplay-Trailer. Besucher konnten ausprobieren, wie sich das neue Gears tatsächlich anfühlt. Xbox bezeichnete die Gamescom ausdrücklich als erstes öffentliches Hands-on der Kampagne.
Und lange dauert es nicht mehr: Gears of War: E-Day erscheint bereits am 6. Oktober 2026.
4. Metro 2039 – einer der optisch stärksten Auftritte
Dunkle Tunnel, kaputte Gasmasken, wenige Ressourcen und das unangenehme Gefühl, dass hinter der nächsten Ecke etwas wartet: Metro 2039 bringt genau das zurück, wofür die Reihe bekannt ist. Auf der Gamescom konnten Besucher das Spiel erstmals selbst ausprobieren. 4A Games brachte dafür eine öffentliche Hands-on-Demo nach Köln, die sowohl am eigenen Stand als auch bei Xbox spielbar war.
Optisch hinterließ Metro 2039 ebenfalls Eindruck. Beleuchtung, Umgebungen und die dichte Atmosphäre gehörten zu den auffälligsten Teilen des Auftritts. Die Gamescom-Jury zeichnete das Spiel schließlich mit „Best Visuals“ aus.
Interessant ist dabei, dass 4A Games nicht einfach zu den engen Tunneln der ersten Teile zurückkehrt. Die Entwickler wollen die klaustrophobische Atmosphäre der älteren Spiele mit den offeneren Gebieten aus Metro Exodus verbinden. Erscheinen soll Metro 2039 im Februar 2027.
5. Onimusha: Way of the Sword – der eigentliche Gameplay-Gewinner
Nicht jeder große Gamescom-Gewinner erzeugte vorher die größten Schlagzeilen. Onimusha: Way of the Sword kam mit wesentlich weniger Hype nach Köln als mancher Blockbuster – und ging mit zwei der wichtigsten Awards wieder nach Hause. Capcom gewann sowohl „Best Sony PlayStation Game“ als auch „Best Gameplay“.
Way of the Sword ist der erste komplett neue Onimusha-Teil seit mehr als 20 Jahren. Im Mittelpunkt steht Miyamoto Musashi, der sich durch ein von dämonischen Genma überranntes Kyoto kämpft. Capcom setzt dabei stark auf schnelle, direkte Schwertkämpfe und präzises Kontern.
Lange warten müssen Spieler nicht mehr: Onimusha: Way of the Sword erscheint bereits am 4. September.
6. Alien: Isolation 2 – Horror funktioniert wieder über Geräusche
Bei Alien: Isolation 2 ist ein Award besonders interessant. Creative Assembly gewann mit dem Horror-Sequel „Best Audio“.
Bei kaum einem anderen Spiel wäre diese Kategorie so passend. Schon das erste Alien: Isolation funktionierte zu großen Teilen darüber, was man nicht sah. Schritte über der Decke, Geräusche im nächsten Raum oder plötzlich anschlagende Sensoren konnten ausreichen, um Spieler zum Stillstehen zu bringen.
Der Nachfolger erzählt eine neue Geschichte mit einem neuen Protagonisten und einem neuen Schauplatz, soll aber genau diese permanente Bedrohung durch den Xenomorph wieder in den Mittelpunkt stellen. Dass Alien: Isolation 2 neben dem Audio-Award auch für „Best Visuals“, „Best Gameplay“ und „Best PC Game“ nominiert war, zeigt außerdem, wie gut der Gamescom-Auftritt insgesamt angekommen ist.
Einen konkreten Release-Termin für Alien: Isolation 2 gibt es bislang noch nicht.
7. Rainbow Six Tactics – Ubisoft macht plötzlich XCOM
Bei Rainbow Six denkt man inzwischen fast automatisch an Siege, Ego-Perspektive und kompetitive Multiplayer-Runden. Rainbow Six Tactics macht praktisch das Gegenteil.
Der neue Ableger ist ein rundenbasiertes Singleplayer-Taktikspiel. Spieler übernehmen die Rolle von Six, stellen ihren Trupp zusammen, planen Einsätze im Hauptquartier und bewegen ihre Operator anschließend Zug für Zug durch die Missionen. Damit erinnert das Konzept deutlich stärker an Spiele wie XCOM als an Rainbow Six Siege.
Ubisoft plant 15 Operator, jeweils mit eigenen Fähigkeiten, Gadgets und Skilltrees. Dazu kommen mehr als 45 Schauplätze und unterschiedliche Einsätze wie Geiselbefreiungen, Bombenentschärfungen und die Ausschaltung wichtiger Ziele.
Einen Release-Termin hat Ubisoft bislang noch nicht genannt. Rainbow Six Tactics ist für PC, PlayStation 5 und Xbox Series X|S angekündigt.
8. Nodusfall – HoYoverse sieht plötzlich überhaupt nicht mehr nach HoYoverse aus
Wer Genshin Impact, Honkai: Star Rail oder Zenless Zone Zero kennt, dürfte bei Nodusfall zweimal hinschauen. HoYoverse tauscht den gewohnt bunten Anime-Look gegen realistischere Dark Fantasy. Statt durch farbenfrohe Welten zu laufen, kämpfen mehrere Spieler gemeinsam gegen riesige Kreaturen, die von unterschiedlichen Mythologien inspiriert sind.
Spieler übernehmen sogenannte Weaver und können Kampfstile und Fähigkeiten kombinieren. Besonders große Gegner sollen Zusammenarbeit verlangen, während besiegte Kreaturen Materialien liefern, mit denen neue Fähigkeiten und Waffen freigeschaltet werden.
Der erste Trailer erinnert stellenweise an eine Mischung aus Monster Hunter und düsterem Action-RPG. Viele wichtige Fragen sind allerdings noch offen. Einen Release-Termin und konkrete Plattformen hat HoYoverse bislang nicht genannt.
Auch diese Spiele nahmen Awards mit nach Hause
Und auch abseits dieser acht Spiele gab es einige bekannte Gewinner. Forza Horizon 6 wurde als bestes Xbox-Spiel ausgezeichnet, während Total War: WARHAMMER 40,000 den Preis für das beste PC-Spiel gewann. Auf Nintendo Switch 2 setzte sich Rayman Legends Retold durch. Tides of Annihilation gewann in der Kategorie „Most Epic“, während der Preis für das unterhaltsamste Spiel an Wanderburg ging.
Auch SEGA hatte insgesamt eine starke Messe. Neben den Awards für Alien: Isolation 2 und Total War erhielt der Publisher zusätzlich die Auszeichnung für das beste Line-up der gesamten Gamescom. CD Projekt Red kam ebenfalls auf drei Trophäen.
Einen einzelnen Sieger hatte die Gamescom 2026 damit eigentlich nicht. Interessanter ist, wie viele Spiele nach diesen fünf Tagen greifbarer wirken. Bei mehr als 900 Spielen ist das vielleicht der größte Erfolg, den ein Titel auf einer Gamescom haben kann: dass man sich nach dem Ende der Messe noch an ihn erinnert.

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