Am 27. August hat Rockstar mit GTA 6: An Extended Look den bislang ausführlichsten offiziellen Einblick in GTA 6 veröffentlicht. Knapp 27 Minuten lang sind Jason und Lucia bei Missionen, Verfolgungsjagden und zahlreichen Freizeitaktivitäten zu sehen. Das Material besteht laut Rockstar vollständig aus Ingame-Aufnahmen der PlayStation-5-Version.
Besonders interessant sind dabei einige neue Gameplay-Systeme. Denn GTA 6 sieht nicht nur deutlich detaillierter aus als GTA 5 – auch Verbrechen, Polizeiverfolgungen und der Umgang mit der Spielwelt scheinen wesentlich komplexer zu werden.
Das neue Fahndungssystem ist deutlich komplexer
Wer in GTA 5 genug Chaos angerichtet hat, musste vor allem eines tun: möglichst schnell aus dem Sichtfeld der Polizei verschwinden. In GTA 6 scheint das nicht mehr ganz so einfach zu sein.
Neben den bekannten Fahndungssternen tauchen im neuen Gameplay mehrere Symbole auf, die offenbar anzeigen, welche Informationen die Polizei bereits über Jason und Lucia besitzt. Zu sehen sind unter anderem Hinweise auf Gesicht beziehungsweise Aussehen, Kleidung, das verwendete Fahrzeug und Überwachungskameras. Auch ob beide Charaktere gemeinsam gesucht werden, spielt offenbar eine Rolle.
Besonders gut erkennt man das während einer längeren Verfolgungsjagd. Nachdem Jason und Lucia ihr bekanntes Fahrzeug zurücklassen und mit einem anderen weiterfahren, verschwindet die entsprechende Fahrzeug-Information aus der Anzeige. Einfach um die nächste Ecke zu fahren dürfte also nicht immer reichen. Ein Fahrzeugwechsel oder eine veränderte Kleidung könnten künftig tatsächlich dabei helfen, die eigene Spur zu verwischen.
Außerdem kehrt ein alter GTA-Klassiker zurück: Die Fahndungsskala reicht wieder bis sechs Sterne. GTA 5 hatte maximal fünf.
Selbst Autodiebstahl wird komplizierter
Schon beim namensgebenden „Grand Theft Auto“ dreht Rockstar an der Mechanik. Jason kann ein verschlossenes Fahrzeug im neuen Gameplay nicht einfach innerhalb weniger Sekunden öffnen.
Stattdessen ist unter anderem ein Slim Jim zu sehen, also ein schmales Werkzeug zum Öffnen einer Autotür. Dabei erscheint eine kurze spielerische Interaktion. Alternativ lässt sich offenbar auch weiterhin deutlich weniger elegant die Scheibe einschlagen.
Das klingt zunächst nach einem kleinen Detail, zeigt aber ziemlich gut, in welche Richtung GTA 6 geht. Selbst alltägliche Aktionen, die in früheren Teilen eher automatisch abliefen, bekommen zusätzliche Schritte und Konsequenzen.
Jason und Lucia kämpfen gemeinsam
Das Charakterwechsel-System aus GTA 5 kommt zurück, wird diesmal aber stärker auf das Zusammenspiel von Jason und Lucia zugeschnitten.
Während Verfolgungsjagden kann beispielsweise zwischen den beiden gewechselt werden. Einer fährt, während der andere aus dem Fahrzeug auf die Verfolger schießt. Auch während gemeinsamer Missionen zeigt Rockstar Wechsel zwischen den beiden Charakteren. Sind Jason und Lucia voneinander getrennt, erinnert die Übergangsanimation dagegen stärker an den bekannten Charakterwechsel aus GTA 5.
Dass dieses Zusammenspiel mehr als nur für einzelne geskriptete Szenen gedacht ist, hat Rockstar inzwischen ebenfalls deutlich gemacht. In einem ausführlichen Gespräch mit Dazed erklären die Entwickler, dass Spieler als Paar unterwegs sein oder getrennt voneinander losziehen können. Als konkretes Beispiel nennt Rockstar sogar eine Autofahrt, bei der man von Jason am Steuer zu Lucia auf dem Beifahrersitz wechseln kann.
GTA 6 übernimmt einiges aus Red Dead Redemption 2
Wer Red Dead Redemption 2 gespielt hat, dürfte beim neuen Gameplay einige Mechaniken wiedererkennen.
Jason kann beispielsweise einen Hund gezielt fokussieren und bekommt mehrere Möglichkeiten zur Interaktion. Er kann ihn streicheln, ausschimpfen oder genauer betrachten. Ähnliche situationsabhängige Interaktionen waren bereits ein wichtiger Bestandteil von Red Dead Redemption 2.
Auch im Kampf sind die Einflüsse kaum zu übersehen. Zeitweise verlangsamt sich das Geschehen, während bestimmte Körperbereiche eines Gegners hervorgehoben werden. Dazu kommen ein überarbeitetes Waffenrad, ein eigener Bereich für Gegenstände und verschiedene Verbrauchsitems.
Gleichzeitig wirkt das Gunplay deutlich ausgearbeiteter als noch in GTA 5. Gegner lassen sich offenbar gezielter an verschiedenen Körperstellen treffen, Waffen können ihnen aus der Hand geschossen werden und das Deckungssystem wurde erweitert. Im Gameplay ist außerdem zu sehen, wie die Schulterperspektive beim Zielen gewechselt wird. Zusammen mit den deutlich stärkeren Trefferreaktionen wirken die Schießereien dadurch weniger statisch als im Vorgänger.
GTA 6 wird damit nicht einfach zu einem Red Dead Redemption 2 in Vice City. Es sieht aber danach aus, als würde Rockstar viele der detaillierteren Systeme seines Western-Spiels übernehmen und an das deutlich schnellere GTA-Gameplay anpassen.
Ein vermeintliches Ehre- oder Karma-System, über das nach dem Reveal ebenfalls spekuliert wird, ist dagegen noch nicht eindeutig bestätigt. Rockstar hat allerdings bereits erklärt, dass Entscheidungen rund um Jason und Lucias Beziehung Konsequenzen haben können, die über frühere „Honor“-Systeme hinausgehen.
Von Basketball bis Tauchen: Leonida steckt voller Aktivitäten
Wer keine Lust auf Schießereien und Verfolgungsjagden hat, bekommt offenbar genug andere Beschäftigung.
Der Extended Look zeigt unter anderem Basketball, Krafttraining, Tauchen, Jet-Skis, Kajaks, Airboats, Dirtbike-Rennen, Straßenrennen, Schießübungen, Fallschirmsprünge und Angeln. Gerade auf und unter dem Wasser scheint Rockstar deutlich mehr zu bieten als noch in GTA 5.
Auch das Fitnessstudio ist mehr als nur Kulisse. Rockstar hat bestätigt, dass sich die Körper von Jason und Lucia abhängig vom Verhalten des Spielers verändern können. Training baut sichtbar Muskeln auf, während sich auch Essen auf das Gewicht der beiden auswirkt. Damit kehrt eine Mechanik zurück, die viele noch aus GTA: San Andreas kennen.
Die Welt reagiert stärker auf den Spieler
Eine der größten Veränderungen fällt erst auf, wenn man weniger auf Jason und Lucia und mehr auf das schaut, was im Hintergrund passiert.
Straßen, Strände und Clubs sind teilweise voll mit NPCs. Menschen führen Gespräche, gehen mit Hunden spazieren, machen Fotos, sitzen in Gruppen zusammen oder zücken ihr Smartphone, wenn auf der Straße etwas passiert. Dazu kommt eine deutlich größere Vielfalt bei Kleidung, Körperformen und Verhalten.
Das ist kein Zufall. Rockstar beschreibt GTA 6 selbst als reaktivere und stärker geerdete Spielwelt. Wer beispielsweise offen mit einem Gewehr durch die Stadt läuft, soll Reaktionen seiner Umgebung auslösen. Für die NPCs hat Rockstar nach eigenen Angaben sogar neue Werkzeuge und Entwicklungsprozesse aufgebaut, um die bislang detaillierteste und vielfältigste Bevölkerung eines Rockstar-Spiels zu erschaffen.
Wie viele der im Extended Look gezeigten Reaktionen tatsächlich jederzeit dynamisch entstehen und welche speziell für Missionen inszeniert wurden, wird sich erst im fertigen Spiel zeigen. Die Richtung ist aber schon jetzt deutlich: Leonida soll weniger wie eine Kulisse und stärker wie eine Welt wirken, die auf das reagiert, was Spieler darin anstellen.
GTA 6 erscheint am 19. November 2026 für PlayStation 5 und Xbox Series X|S. Wenn Rockstar das im Extended Look gezeigte Niveau auch außerhalb der inszenierten Missionen halten kann, dürfte sich vor allem eines ändern: In Vice City wird es deutlich schwieriger, nach einem Verbrechen einfach so zu verschwinden.

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