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Greater Adria: Der verlorene Kontinent unter Europa

Geschrieben von Nils Brandt

Zuletzt aktualisiert am

Felsige Mittelmeerküste mit blauem Meer und Gebirgen als sichtbare Überreste von Greater Adria.

Wer schon einmal durch Italien, Kroatien oder Griechenland gereist ist, könnte auf den Überresten eines verschwundenen Kontinents gestanden haben, ohne es zu wissen. Greater Adria wurde nicht von einer Flut verschluckt. Europa hat ihn über Millionen Jahre hinweg regelrecht unter sich begraben.

Heute ist von dieser Welt kaum noch etwas in ihrer ursprünglichen Form übrig. Ein Großteil liegt tief unter Südeuropa. Andere Teile wurden zerquetscht, gefaltet und zu Gebirgen aufgetürmt, die heute den Mittelmeerraum prägen.

Greater Adria war so groß wie Grönland

Die Geschichte von Greater Adria reicht rund 240 Millionen Jahre zurück. Die Landmasse lag damals am nördlichen Rand Gondwanas, aus dem später unter anderem Afrika, Südamerika, Australien und die Antarktis hervorgingen. Im Laufe der Zeit löste sich Greater Adria vom afrikanischen Rand und bewegte sich nach Norden.

Mit einer Fläche etwa so groß wie Grönland war der Kontinent gewaltig. Trotzdem bestand er nicht aus einem geschlossenen Festland wie Australien. Große Teile lagen unter warmen, flachen Meeren. Dazwischen ragten Inseln und Korallenriffe aus dem Wasser, während sich am Meeresboden mächtige Kalkschichten bildeten.

In der Geologie muss ein Kontinent nicht vollständig über dem Meeresspiegel liegen. Entscheidend ist die darunterliegende kontinentale Erdkruste. Menschen haben diese tropische Inselwelt nie gesehen. Greater Adria begann lange vor der Entstehung der ersten Menschen zu verschwinden.

Greater Adria auf der Karte. © Douwe van Hinsbergen/ Universität Utrecht

Europa zog den Kontinent unter sich

Während Greater Adria nach Norden wanderte, wurde der Raum zwischen Afrika und Europa immer enger. Vor mehr als 100 Millionen Jahren begann die Landmasse schließlich mit dem europäischen Rand zusammenzustoßen.

Ein großer Teil der Erdplatte wurde unter Europa gedrückt und sank tief in den Erdmantel. Dieser Vorgang heißt Subduktion. Die Platte bewegte sich dabei nur wenige Zentimeter pro Jahr. Über Millionen Jahre hinweg reichte das jedoch aus, um fast den gesamten Kontinent zu verschlucken.

Die oberen Gesteins- und Sedimentschichten tauchten nicht vollständig mit ab. Sie wurden von der sinkenden Platte abgeschabt, zerbrochen, gefaltet und übereinandergeschoben. Aus diesen zerquetschten Resten entstanden Teile der Gebirge Südeuropas. Greater Adria verschwand also nicht vollständig: Große Teile seiner Erdplatte liegen tief im Erdmantel, während abgeschabte und verformte Gesteinsschichten an der Oberfläche zurückblieben.

In diesen Ländern ist Greater Adria noch sichtbar

Spuren von Greater Adria ziehen sich heute durch weite Teile des Mittelmeerraums. Dazu gehören die italienischen Apenninen, Teile der Alpen, die Dinariden entlang der östlichen Adriaküste sowie Gebirgsregionen in Griechenland und der Türkei.

Viele der dortigen Gesteine entstanden ursprünglich als Ablagerungen in den flachen Meeren des Kontinents. Kalk, Schalenreste und andere Sedimente wurden später angehoben und unter enormem Druck und großer Hitze verändert. Aus Kalkstein konnte dabei Marmor entstehen. Diese früheren Meeresablagerungen stecken heute in Gebirgen, aus denen seit der Antike Kalkstein und Marmor gewonnen werden.

Greater Adria ist kein Ort, zu dem man mit einem U-Boot hinabtauchen müsste. Teile des verlorenen Kontinents liegen heute mitten in europäischen Urlaubsregionen.

Wie Forschende Greater Adria wieder zusammensetzten

Greater Adria wurde nicht durch einen einzelnen spektakulären Fund entdeckt. Seine Gesteine waren längst bekannt, lagen aber über mehr als 30 Länder verteilt und waren durch die Kollision verdreht, zerbrochen und übereinandergestapelt worden.

Forschende verglichen geologische Strukturen, frühere Plattenbewegungen und Daten von rund 2.300 paläomagnetischen Fundstellen. Paläomagnetische Spuren zeigen, wie Gesteinsblöcke seit ihrer Entstehung gedreht und verschoben wurden. Mit bestimmter Software wurden die verschobenen Teile anschließend Schritt für Schritt an ihre früheren Positionen zurückbewegt.

Zusätzlich zeigen seismische Untersuchungen, wo Reste abgesunkener Platten tief unter Europa liegen. Die Forschenden fanden also keinen unversehrten Kontinent. Sie setzten Greater Adria aus seinen geologischen Trümmern wieder zusammen.

Greater Adria ist nicht der einzige verlorene Kontinent

Zealandia liegt im südwestlichen Pazifik, umfasst rund 4,9 Millionen Quadratkilometer und ist heute zu 94 Prozent überflutet. Neuseeland und Neukaledonien gehören zu seinen sichtbaren Teilen. Seine Kruste wurde stark gedehnt und ausgedünnt, sodass fast der gesamte Kontinent unter dem Meeresspiegel liegt. Seit 2023 liegt eine geologische Übersichtskarte des gesamten Kontinents vor.

Argoland löste sich vor rund 155 Millionen Jahren vom Nordwesten Australiens. Zu diesem Zeitpunkt bestand es bereits aus mehreren Kontinentalfragmenten und dazwischenliegenden Meeresbecken. Seine verstreuten Reste wurden später in Südostasien wiedergefunden. Forschende nennen dieses Gebilde „Argopelago“.

Doggerland war dagegen kein Kontinent, sondern eine bewohnte Landschaft zwischen Großbritannien und dem europäischen Festland. Steigende Meeresspiegel überfluteten das Gebiet schrittweise. Der Storegga-Tsunami traf die Region um 6200 v. Chr. schwer, war nach heutigem Forschungsstand aber nicht allein für ihr Verschwinden verantwortlich. Einige Landflächen überstanden die Welle.

Verlorene Kontinente warten nicht als unberührte Welten auf dem Meeresgrund. Sie werden gedehnt, zerbrochen, überflutet oder tief unter andere Erdplatten gedrückt. Greater Adria ist deshalb spektakulärer als Atlantis: Seine Geschichte ist tatsächlich passiert.

Über den Autor

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Nils Brandt

Ich bin Nils und schreibe bei Themenblick vor allem über Gaming, Sport, Technik, Filme und digitale Trends. Mich interessieren Themen, bei denen es nicht nur um die schnelle Schlagzeile geht, sondern auch um die Geschichte dahinter. In meiner Freizeit lese ich mich gerne in neue Themen ein, fahre Ski und mache ab und zu Roadtrips.

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